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Die junge Schauspielerin und das Meer


Bild - Die junge Schauspielerin und das Meer

Kolumne von Nadine Knobloch:

Es war einmal eine Reise mit dem Zug à grande vitesse vers l’Atlantique. Mit jedem Kilometer ein Stück weiter weg. Raus aus der Enge. Dem Lärm der großen Stadt den Rücken kehrend. Irgendwo im Nirgendwo war Endstation. Ich fiel nach zwölf Stunden Fahrt mit meinen Koffern aus dem Zug und selbiger sogleich in seine wohlverdiente Nachtruhe. Gemütlich. Ruhig. Wie alles hier draußen. Keine Hektik, kein Stress. Nur die stete Vorfrühlingsbrise schien es eilig zu haben, als sie über die ersten goldgelben Blumen fegte, die sich gen wärmende Sonne reckten.
Der Wind blies unermüdlich durch jede Ritze des Zimmers. Durch das Dachfenster rauschte das Meer. Auf der Ameisenstraße neben mir herrschte Hochbetrieb. Auch wenn ich mir angenehmere Zimmergenossen hätte vorstellen können, passten sie doch irgendwie zum muffigen Bettzeug. Meine Unterkunft für die nächsten vier Wochen.


In drei Häuser waren wir verteilt, über mehrere Kilometer. Eines vorne an der Biegung, meines in der Mitte und das an der Schranke, wo eine europäische Hauptstraße in feinsten Sand überging. Jeder wollte in dieses „Haus am Meer“, wie es genannt wurde. Einige scherzten, bei gutem Wetter könne man von hier bis nach New York sehen. Und tatsächlich, wenn Ebbe einsetzte und sich das Wasser für einige Stunden weiter nach draußen zurückzog, hatte man wirklich das Gefühl, man könne loslaufen und pünktlich zum Lunch im Big Apple sein.
Sobald es dunkel wurde, schien das Meer mit jeder Welle lauter zu werden und mit dem Wind um die Wette zu rauschen. Ein Netz aus Sternen prangte am Himmel. Die einzige künstliche Lichtquelle war ein Leuchtturm in südwestlicher Richtung, der in mehr oder minder gleichmäßigem Rhythmus sein Licht über Land und Wasser schickte. Und dann kamen wir.

Eifrig, wie die Ameisen in meinem Zimmer, wurde aufgebaut. Ein Scheinwerfer nach dem nächsten in Betrieb genommen und das Dorf mit seiner Handvoll Häusern erleuchtet. Gartentische wurden zu einer langen Tafel zusammengestellt. Stühle herbeigekarrt. Flaschen, leer und voll, Gläser, Teller, Besteck, Essen und allerhand weitere Requisiten überall verteilt. Es sollte nach einer Party aussehen. Ein Fest. Mit Dramen an allen Ecken und Enden. Alles feinsäuberlich ins Drehbuch geschrieben. 
Zuweilen griffen diese Dramen auch auf alle Anwesenden über. Wie es eben passiert, wenn man sich einen Monat lang abseits jeglicher Zivilisation zu jeder Tages- und Nachtzeit begegnen muss.

Und all das wurde untermalt vom rauen Charme der Atlantikküste und ihren endlos brausenden Wellen Ende Februar. Rosamunde Pilcher hätte ihre helle Freude daran gehabt.

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