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Es grünt so grün: Ein Dreh im Wald, Teil 1

Eine Kolumne von Nadine Knobloch

Bild - Es grünt so grün: Ein Dreh im Wald, Teil 1
Hat jemand das Mückenspray gesehen?“ Es sollte zwar das erste Mal, aber mit Sicherheit nicht das letzte Mal an besagtem Tag sein, dass dieser Satz panisch durch den Wald gerufen wurde.

Wir waren irgendwo am Altrheinufer in Daxlanden. Ein idyllischer Waldweg führte direkt entlang am Wasser. Es war früh am Morgen und die Sommersonne tauchte alles in ein warmes Licht. Man hätte es direkt genießen können, wäre da nicht dieser Zeitdruck. Der Aufbau lief zwar noch wie geplant, aber erfahrungsgemäß konnte sich das schnell ändern. Meine Schauspieler waren zum Glück auch schon da und saßen in der Maske, die sich mit Klappstuhl und Campingtisch in einer Wegnische befand. Alle um mich herum schienen mir von weitem bereits zuzuwinken. Es sah zumindest danach aus. Bei näherem Hinsehen entpuppte sich die freundliche Begrüßungsgeste allerdings als verzweifelter Versuch, sich eine Heerschar von Schnaken vom Hals zu halten. Wer kennt es nicht, im Sommer, in Karlsruhe. Und ein feucht-warmer Morgen war es noch dazu. Beste Bedingungen also, um einen Drehtag mitten im Wald einzuplanen.

Also, wenn man auf Schnakenstiche steht. Oder wenigstens über genug Langarmpullis verfügt, durch die diese Biester hoffentlich nicht durchstechen können. Oder wenn man verrückt genug ist, im Hochsommer am Rheinufer zu drehen. Ich zog den Reißverschluss meiner Jacke ganz zu und ging weiter in den Wald hinein. Die Idee mit dem hochgezogenen Kragen hatten mein Regieassistent, mein Tonmann und unser Azubi ebenfalls. Man konnte die drei nur noch an ihrem Gesicht erkennen, alles andere war stechmückenresistent vermummt.
„Wir holen dann mal die Greenscreen“, rief mir irgendjemand im Vorbeigehen zu. Nickend nahm ich auf einem Baumstumpf Platz, um mich meinem Drehplan und dem Storyboard zu widmen. „Hoffentlich vergesse ich keine Einstellung“, ging mir nur durch den Kopf. Der Tag war so minutiös durchgeplant, dass wir uns Verzögerungen jeglicher Art absolut nicht erlauben konnten.

Ich schloss die Augen und murmelte vor mich hin: „Kranfahrt. Halbnahe. Nahe. Umbau. Gegenschuss. Pick up.“ Und nochmal „Kranfahrt. Halbnahe. Nahe. Umbau. Gegenschuss. Pick up.“ Gleichzeitig sausten die Bilder dazu durch meinen Kopf. Fast ein bisschen wie vor einer Prüfung, wenn man alles nochmal schnell durchgehen will. Nur, dass das hier keine Prüfung war, sondern Ernst. Ich musste einfach an alles denken, und damit meine ich wirklich an ALLES. Nochmal Umbauen oder sogar ein Nachdreh war einfach nicht drin. „Das Mückenspray – ich brauche dringend das Mückenspray! Gibt mir das bitte jemand rüber? Schnell!?!“ Eine Flasche flog an meinem Kopf vorbei. Unbeeindruckt von dem Wurfgeschoss blättert ich in meinen Unterlagen weiter.

Nach einer Weile riss mich ein „Greenscreen bereit zum Drehen!“ aus meiner tranceartigen Konzentration. Ich lief zu meinem Team, das sich bereits an Ort und Stelle versammelt hatte. Der Kranarm schwenkte nach oben, meine Hauptdarstellerin stand auch bereits auf Position. Auf Kommando starteten wir nicht nur mit dem Dreh der Schlussszene, sondern waren auch die Schnakenplage los. Mir kam kurz der Gedanke, dass wir vielleicht öfter eine grüne Leinwand in einen grünen Wald stellen sollten, das hatte diese Viecher vermutlich ausreichend verwirrt.

Die Sonne stieg immer höher und ihre Strahlen bahnten sich einen Weg durch das Blätterdach. Noch war das kein Problem, lag der Fokus auf der grünen Leinwand vor uns, deren doch recht überschaubare Fläche wir einwandfrei ausleuchten konnten. Erste Klappe. Meine Kamerafrau schwenkte den Kran gekonnt von oben nach unten in die Endposition. Sah schon ganz gut aus, irgendwas passte aber noch nicht. Also nochmal von vorne. Der nächste Take war eindeutig besser und vor allem gut genug. Den nehme ich. Nächste Einstellung. Sowohl in Gedanken als auch auf meinem Drehplan hakte ich eine Einstellung nach der nächsten ab.

Wir kamen gut voran, was mir nur recht war, saß mir doch der Zeitplan im Nacken. Letzte Einstellung. Die Maske kam dazu und schminkte die tief blutroten Lippen nochmal nach, damit diese auch wirklich voll zur Geltung kamen. Alle konzentrierten sich wieder. „Und bitte!“ - „DANKE!“ Nach ein paar Sekunden war auch das im Kasten. Ich war erleichtert, dass unser Greenscreen-Ausflug ins Freie so reibungslos und vor allem schnell funktioniert hatte. Erste Hürde für diesen Tag gemeistert. Eine kurze Kaffeepause wäre jetzt toll gewesen, war aber leider nicht drin, der nächste Aufbau rief schon.

Ab jetzt – kurz vor Mittag – brauchten wir Nacht im Wald und das am helllichten Tag. Der THW setzte sich mit seinen Moonlights und dem dazugehörigen Generator, den wir uns für diesen Tag ausgeliehen hatten, in Bewegung. Als das Equipment an mir vorbeigezogen wurde, hörte ich nur ein „Ihr habt Mückenspray dabei? Kann ich das vielleicht mal haben? Jetzt gleich?“ Und damit bog das Aufbauteam vom Waldweg ab und verschwand zwischen den immer dichter werdenden Bäumen…

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