Klappeauf - Karlsruhe
Alle Artikel
Verschiedenes Meldungen

 

Ein Traum geht in Erfüllung

"West Side Story"

Bild - Ein Traum geht  in Erfüllung
Mit ihrer Inszenierung von Leonard Bernsteins West Side Story eröffnet Solvejg Bauer am 18. Juni ihre letzte Spielzeit als Leiterin der Ettlinger Schlossfestspiele, ehe sie im Herbst ihr Amt als Intendantin des Heilbronner Stadttheaters antritt. Klappe auf traf sich noch einmal mit der Theatermacherin.

Frau Bauer, nach acht Jahren endet für Sie nun ihre Tätigkeit in Ettlingen. Mit welchen Gefühlen proben Sie jetzt das von Ihnen lange umworbene Musical "West Side Story"?
Solvejg Bauer: Mit großen Gefühlen! Ich kann schon sagen, dass da ein Traum in Erfüllung geht. Ich kenne den Film, seit ich jung war. Ich habe ihn zig Mal gesehen und kenne die Musik sehr gut und freue mich riesig, die West Side Story jetzt endlich nach Ettlingen zu bringen. Ich denke Leonard Bernstein hat sie geradezu für den Schlosshof geschrieben.

Wie das?
Bauer: Es handelt sich ja eigentlich um eine Romeo-und-Julia-Geschichte und da steht diese riesige Balkonszene im Mittelpunkt, und wir haben den Balkon und können ihn wunderbar einsetzen. Außerdem atmet die gesamte Atmosphäre des Schlosshofes Bernsteins Musik.

In welchen Rahmen setzen Sie die West Side Story und was erzählt sie uns heute?
Bauer: Die Geschichte spielt in den 1950er Jahren, und ich habe einen Ort gesucht, der den Konflikt der zwei rivalisierenden Jugendbanden im Kampf um ihr Revier zuspitzt. Bernstein hat hier einen großen rassistischen Konflikt beschrieben, der im Streit um das Recht auf Platz und Raum gipfelt. Um die Situation zu verdichten, gehe ich von der Annahme eines großen Unfalls aus, der die Menschen gezwungen hat, sich unter der Erde einzurichten, in einem Schutzraum, der nicht für alle genügend Platz bietet. Während die Jets sich komfortabel einrichten können, wurde den puertoricanischen Sharks aus rassistischen Gründen ein minderwertiger Platz zugewiesen. Das ist auf die USA bezogen heute mit ICE hochaktuell wie lange nicht, aber auch bei uns verbreitet sich das Gefühl, dass uns durch die Zuwandernden Raum weggenommen wird, und man so viele Menschen wie möglich zurückschicken müsse, anstatt, dass man sie als Chance für die Ausbildung einer neuen Kultur und Möglichkeit zum Austausch sieht.

Sie haben in Ettlingen eine bewegte Zeit erlebt. Es gab viele Höhepunkte, aber auch eine Pandemie und eine wirtschaftliche Krise ausgerechnet nach einer Spielzeit mit Rekordbesuch. Was vor allem haben sie in Ettlingen gelernt, was Sie als Theaterleiterin mitnehmen?
Bauer: Diese wirtschaftliche Krise zu überwinden, hat viel Kraft gekostet, weil ich merkte, wie schnell sich bestimmte Erzählungen gegen einen selbst persönlich drehen können. Aber weil wir da zusammengestanden und extrem gekämpft haben, wurden wir nicht bestraft, im Gegenteil wurden unsere Landeszuschüsse verdoppelt, weil wir vermitteln konnten, was es bedeutet, postpandämisches Theater zu machen. Und das hat mich sehr gestärkt. Ich habe gelernt, den Platz für Kunst und Kultur mit allem, was ich habe, zu verteidigen und nicht klein beizugeben.

Sie haben die BesucherInnenzahlen gesteigert, sie haben die Festspiele mit Kreativität wirtschaftlich gerettet und das Budget vergrößert, sie haben einen Bürgerchor gegründet und die Ettlinger mit auf die Bühne geholt. Sie haben hier zweifellos vieles richtig gemacht. Auf was davon sind sie besonders stolz?
Bauer: Es macht mich besonders froh, dass während der Festspiele in der Stadt eine atmosphärische Veränderung stattfindet. Diese Kraft und Euphorie zu spüren, das finde ich unglaublich motivierend und berührend. Es fällt mir nicht leicht, jetzt Adieu zu sagen, weil ich spüre, wieviel Potential da noch drinnen steckt. Ich hoffe, dass mein Nachfolger, Herr Lepper, da was draus macht. Und natürlich ist es auch vollkommen okay, wenn er andere Ziele verfolgt, er muss seinen eigenen Weg finden.

Sie haben die Schlossfestspiele zum partizipativen Projekt werden lassen. Werden Sie dieses Konzept fortsetzen und auch nach Heilbronn mitnehmen?
Bauer: Das ist für mich kein Konzept, sondern mein tiefster Glaube, dass das Theater die Aufgabe hat, Menschen unterschiedlichster Couleur mit unterschiedlichsten Hintergründen zusammenzubringen und daran zu beteiligen. Ich bin mit diesem Ansatz auch in Heilbronn angetreten und kann gar nicht anders, als dies weiterzuverfolgen. Auch wenn es großer Anstrengungen bedarf und viel Arbeit bedeutet, einen großen Apparat mit partizipativem Leben zu füllen.

Was werden Sie von Ettlingen am meisten vermissen?
Bauer: Ich habe das Schloss sehr geliebt. Wenn ich es betrete, habe ich immer das Gefühl, etwas zu empfangen, dass mir der Ort eine Resonanz gibt. Das wird mir sehr fehlen.

MELDUNGEN

Kulturgut Wein - Kulturgut Bier

Bild: Kulturgut Wein - Kulturgut  Bier
Wehret den Anfängen. Schützt unsere flüssigen Kulturgüter vor Diskriminierung und Ausgrenzung. Schützt unsere Demokratie, denn Bier und Demokratie sind historisch und kulturell eng verbunden, oft als sozialer Kitt und Kommunikationsbeschleuniger. Alle Versuche, Bier und Wein aus dem öffentlichen...

weiterlesen

Zimmer für Studierende

Bild: Zimmer für Studierende
Der Satz „Wer sucht, der findet!“ klingt manchmal etwas einfacher als es am Ende ist, vor allem wenn es um bezahlbaren Wohnraum geht. Denn es fehlen Wohnungen und Zimmer für Studierende. Lediglich fünf bis sechs Prozent des Bedarfs kann das Studierendenwerk Karlsruhe mit seinen 18 Wohnheimen in...

weiterlesen

Anzeige
Bild: Bernd Hentschel - Freiflug