Klappeauf - Karlsruhe
Archiv: 05.2007
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Zukunft Tempel

Riskantes Spiel oder schlicht verpennt´

Bild - Zukunft Tempel
“Kulturverein Tempel gefährdet” oder “Musentempel vor dem Aus´” sind Schlagzeilen, die die Karlsruher Kulturszene seit den vergangenen Tagen beschäftigen. Im Hintergrund steht ein Interessent, der den rund 2000 Quadratmeter umfassenden Bau II der früheren Seldeneckschen Brauerei kaufen will.

Die Stadt scheint sich so uneins, dass es verschiedenen Teilen der Verwaltung offensichtlich ganz recht wäre, wenn der Verkauf des sogenannten Bau II des Kulturzentrums Tempel an einen privaten Kunden zustande käme, mutmaßt Christiane Woernle als Verteterin der Erbengemeinschaft der früheren Brauerei im Karlsruher Stadtteil Mühlburg: “Wenn die Stadt eine Meinung hätte, hätte sie schon längst gekauft.”

Einer einzigen Meinung immerhin waren die Mitglieder des gemeinderätlichen Kulturausschusses, die im November des vergangenen Jahres eindeutig für den Ankauf der noch in Händen der Erben befindlichen Immobilie votiert und damit der Verwaltung ein deutliches Signal gegeben hatten. Der Kulturverein Tempel sollte dann mit der Nutzung und Renovierung des Geländes auf dem er bereits seit Mitte der 80er Jahre tätig ist, betraut werden. Die Konditionen des Handels waren offenbar bereits zuvor zwischen Stadt und verkaufswilligen Erben ausgehandelt worden, zu einem Preis, der knapp über einem von der Stadt in Auftrag gegebenen Wertgutachten lag. Dann aber hörten die Erben nichts mehr von der Stadt. Der Versuch mit dem zuständigen Bürgermeister Eidenmüller als Verhandlungspartner Kontakt aufzunehmen sei über Wochen und Monate gescheitert, so Christiane Woernle, die sich nach anderen Interessenten für das nach dem Bebauungsplan ausschließlich für die kulturelle Nutzung vorgesehene Gebäude umsah, in dem sich gegenwärtig unter anderem der Musentempel, verschiedene Proberäume und das Atelier eines Grafikers befinden.

Mittlerweile scheinen die Chancen auf das geplante Geschäft mit der Stadt gesunken, da die Erben nun lieber an einen Privatmann verkaufen möchten, der einen deutlich höheren Preis ins Spiel brachte. Der Karlsruher Jürgen Grether, Betreiber eines Immobilien-Internetportals, will kaufen, was den Kulturverein Tempel in höchste Sorge bringt. Auch wenn Grether beteuert, etwa den Musentempel, der sich sein Domizil mit großem Aufwand in Eigenleistung herrichtete, in Bau II halten zu wollen, und ansonsten eine Galerie in Kombination mit seinem Büro einzurichten und Mieter aus dem “kulturellen Gewerbe” zu suchen beabsichtigt, sieht sich der Tempel durch einen solchen Privatinvestor in seiner Existenz bedroht. Tempel-Konzept sei es, so der Geschäftsführer Martin Holder, einer Vielfalt von Menschen mit kreativen Potentialen für wenig Geld Räume zur Verwirklichung ihrer Projekte und Vorhaben bieten zu können. “Dafür haben wir und die einzelnen Mieter Monate und Jahre für umme gearbeitet”, unterstreicht Jutta Wellenreuther, eine der Vorstände des Kulturzentrums. Das soziokulturelle Zentrum brauche die Nutzfläche des Bau II unabdingbar, um wirtschaftlich und kulturell über die Runden zu kommen, heißt es beim Tempel, der von allen politischen Seiten Unterstützung erhält. Sowohl SPD, als auch Grüne und die FDP wollen in den laufenden Haushaltsverhandlungen einen Antrag einbringen, das Geld für den Kauf einzustellen, und auch die KAL und Teile der CDU unterstützen das Anliegen des soziokulturellen Zentrums ohne Wenn und Aber.

Warum die Verwaltung aber durch ihr zögerliches Verhalten die jetzige Stituation heraufbeschwor, und es nun für den Kauf sogar zu spät sein oder zumindest deutlich teurer kommen könnte, die Gründe hierfür scheinen vielfältig und komplex. Offensichtlich konnte sich Verhandlungsführer Eidenmüller zunächst nicht gegen die Bedenken des am Geldhahn sitzenden Bürgermeisterkollegen Groh durchsetzen, in der Interimszeit wähnte man wohl mangels Käuferkonkurrenz keine Eile und die neue Finanzbürgermeisterin spart auch offensichtlich lieber, wo sie kann, siehe Bundesgartenschau. Warum allerdings der Gemeinderat nach dem einstimmigen Votum seines Gremiums nicht über das Stocken des Verkaufs informiert wurde, ist sicherlich eine ärgerliche Nachlässigkeit der Verwaltung, wie von Gemeinderatsseite betont wird. Dem ebenfalls von einzelnen Gemeinderäten geäußerten Verdacht, der Kaufinteressent könne nur ein Strohmann sein, um am Preis noch einmal zu schrauben, begegnet die Eigentümerin Woernle mit dem Hinweis, dass sie von der Stadt ja nichts mehr gehört habe und keinerlei verbindliche Kaufzusage hätte. Die Stadt habe im Bezug auf den Tempel allgemein sehr viele Fehler gemacht und sei jetzt unter Zugzwang.
Dem scheint gegenwärtig kaum jemand zu widersprechen.