Klappeauf - Karlsruhe
Archiv: 04.2006
Kunst, Ausstellungen Kunst

 

Ulrich J. Wolff

Druckgrafik

Galerie Knecht, bis 13.4.; neben Arbeiten von U.J. Wolff werden auch Grafiken seines Lehrers Gerd van Dülmen, Dieter Krieg, Franz Bernhard u.a. präsentiert

"Man kann darin weitergehen/ und den Blick/ auf die Dunkelheit einstellen./ Man kann die Wände abtasten,/ um etwas zu tun./ Man kann rufen, auch wenn/ man nicht weiß wozu./ Man kann sich verlieren,/ sich finden./ Man kann also/ darin leben." So zweideutig und paradox wie das Gedicht "Labyrinth" von Walter Helmut Fritz sind die Tiefdruckunikate von Ulrich J. Wolff. Was er mit seinen Farb- und Formgebungsexperimenten erzeugt, existiert nicht in der "normalen" Welt, d.h. in der Welt des ganz und gar nicht "gesunden" Menschenverstands. Aber so vielschichtig und komplex diese "Artefakte"" (also: autonomen, bilderischen Setzungen) auch sind, sie bewirken etwas Reales. Weil sie etwas zeigen, was vorher nicht da war. Die Umgangsweise mit labyrinthischen Situationen. Also mit Situationen, in denen man sic ebenso finden wie verlieren kann. Empfehlenswert (das haben schon viele Kunstexperten erkannt): Man tastet diese Radierungen mit geschlossenen Augen und sensiblen Fingerkuppen ab. Vorausgesetzt, man hat sie käuflich erworben.
Wird die suggestive, haptische Qualität dieser Arbeiten des Lehrers für Radierungen an der Kunstakademie Karlsruhe "real", d.h. verändert sich seine Wahrnehmung, dann kommt es zu einer Unterbrechung. Zum Innehalten. Die Spannung auf den Bildern überträgt sich: Einerseits bekommt man Bodenhaftung, man kann buchstäblich das Schrundige, Verletzliche, Narbige, Aufgerissene nachvollziehen. Man spürt, wie Zeichen und Wunden zusammenhängen. Andererseits wird man verführt, eine imaginäre Reise ins Reich des Traums, der Einbildungskraft zu unternehmen. Den Spielraum der Interpretation auszuloten, der auf diesen Bildern so unermesslich ist wie das "Geviert" bei Heidegger, das die Erde, den Himmel, das Göttliche und das Sterbliche umfasst. - FL