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Die schöne Welt des Kabarettisten

Augen auf bei der Berufswahl!"Es kann ganz schön anstrengend sein, immer so viel Zeitung zu lesen und an der Tagesaktualität zu erkennen, wie wenig die Menschen lernen, das erfordert schon einen besonderen Umgang mit der Sinnlosigkeit,“ sagt Ole Hoffman über den von ihm gewählten Beruf, „aber in der Gesamtwaage muss man schon anerkennen, was für ein bevorzugtes, sehr schönes Leben wir führen.“  
 
Im Januar wird der Karlsruher Kabarettist 50 Jahre alt, Zeit, Bilanz zu ziehen, blank zu wienern und sich dem Feng Shui des Lebens zu widmen. Das tut Hoffmann nicht nur in seinem neuen Programm. Seit 30 Jahren steht er als Spiegelfechter auf der Kabarettbühne, und war es früher der eitle Drang ins Rampenlicht, so ist es heute vielmehr die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Themen und das Feilen an den Texten, die den ausgebildeten Schauspieler besonders reizen. „Ich lese und spreche meine Texte zuhause ganz oft, und wenn ich dabei merke, dass ich mir selbst gerne zuhöre, wenn Rhythmus und Atemtechnik stimmen und Inhalt und Untertext mich selbst ausdrücken, dann ist ein Text gut geworden.“ Dann freut sich Ole Hoffmann darauf, diesen Text den Menschen vorzutragen, die sich anschließend an der Bar mit Fieberbäckchen dafür bedanken, dass der Kabarettist ihnen etwas gegeben habe. Denn weniger die schnelllebige Pointe, sondern das Vermitteln von Hintergründen und Zusammenhängen ist einer der Motoren, die Hoffmann bis heute zum Politischen Kabaretts ziehen.  
 
Dabei ist das Geschäft für den seit 2000 die eigenen Kleinkunstbühne betreibenden Einzelkämpfer ein wenig zum einsamen Geschäft geworden. Standen früher in der Regel mehrere Wortartisten gemeinsam auf der Bühne, ist Hoffmann heute begleitet von einem Pianisten meist alleine für die geschliffenen Worte zuständig. Doch versucht er immer wieder geeignete Partner zu finden. „In einer Stadt wie München wäre das vermutlich kein Problem, aber in Karlsruhe ist das sehr schwierig,“ sagt der Vater von zwei Jungs, der aus der Sorge um den kabarettistischen Nachwuchs auch Workshops gibt, um etwas von der großen Geschichte des Kabaretts zu vermitteln und vielleicht ein Feuer zu zünden, das dann vielleicht einmal jemanden zu ihm auf die Bühne treibt. Vielleicht ein Talent wie den Berliner Poetry-Slammer Paul Weigl, der kürzlich das Spiegelfechter-Publikum mit seiner anarchistisch raubauzigen Art überraschte und nach wenigen Minuten für sich begeisterte: „Da merkt man, dass Kabarett wirklich funktioniert,“ sagt Hoffmann, der neben den eigenen Vorstellungen von Oktober bis Juni ein umfangreiches Gastspielprogramm im Kabarett in der Orgelfabrik organisiert.  
 
Nach der Vorstellung dann mit den Künstlergästen zusammenzusitzen und sich auszutauschen, auch das sind Momente, in denen Hoffmann spürt, was für ein „bevorzugtes, sehr schönes Leben“ er führt.  
 
> Ole Hoffmann und Friends, 50 Jahre - Ole Hoffmann feiert sein Jubelfest, Do 10. Januar 2019 um 20:15 Uhr; "Blank wienern - Feng Shui of life“ 5., 12., 18. und 25. Januar, jeweils 20:15 Uhr, Kabarett in der Orgelfabrik, Karlsruhe-Durlach, Amtshausstraße 17/19

Kabarett in der Orgelfabrik

>>Amthausstraße 17-19
76227 Karlsruhe
 
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