Alle Artikel Verschiedenes Meldungen

ARD Hörspieltage

 
„Audio ist überhaupt nicht out“ > Im vergangenen Jahr avancierte Helgas Salon im Eingangsbereich des ZKM zu so etwas wie dem Maskottchen der Hörspieltage. Auch bei der 15. Ausgabe der seit 13 Jahren im Karlsruher ZKM stattfindenden ARD-Hörspieltage sind Helga und ihre nostalgisch-schrillen Cousinen wieder mit von der Partie und betreiben diesmal eine regelrechte Bar. Ansonsten gibt es vom 7. bis 11. November wieder einen fetten Mix aus Hörspielwettbewerben, Live-Aufführungen, Konzert, Jury- und Publikumsdiskussionen, Installationen und Branchentreff der deutschsprachigen Hörspielszene. Und wie auch die samstagabendliche Gala mit der Nacht der Gewinner ist am Sonntag dann der Kinderhörspieltag ein gesetzter Termin. Klappe Auf unterhielt sich im Vorfeld mit Ekkehard Skoruppa, dem Abteilungsleiter Künstlerisches Wort beim SWR und Projektleiter der Hörspieltage über die Rolle des Hörspiels in der Gegenwart. 
 
Die Rundfunkanstalten sind am Sparen, und man hat den Eindruck, dass man derzeit viel mehr Hörspiele aus den 50er und 60er Jahren im Radio hört, als noch vor wenigen Jahren. Welchen Stellenwert genießt das Hörspiel bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten? 
 
Ekkehard Skoruppa: Auch wenn wir bei den Neuproduktionen etwas zurückstecken mussten, können wir uns zumindest bei den großen Rundfunkanstalten der ARD nicht beschweren. Der Stellenwert des Hörspiels ist nach wie vor sehr hoch und in der Audiothek sind wir sozusagen Topseller. 
 
Stichwort Digitaliserung und Multimedialität. Welche Auswirkungen, Chancen und Risiken hat dies auf die Hörspielproduktion? 
 
Skoruppa: Das ist im Einzelnen noch gar nicht abzusehen. Durch die Downloadbarkeit erfährt das klassische Hörspiel eine viel stärkere Verbreitung. Wir haben aber auch Produktionen, die die Audiospur mit anderen Medien wie Video oder Graphic Novel verknüpfen. Ein prominentes Beispiel war bereits 2010 die transmediale Serie Alpha 0.7, die im Fernsehen und im Radio lief und eine gleichberechtigte Online-Ebene hatte. Die Story beschäftigte sich mit der denkbaren Einführung von gedankenlesenden Brainscannern zur Verbrechensbekämpfung und dem sich entwickelnden Widerstand. Doch solche Produktionen sind mit hohen Kosten verbunden, und da wird unser Ideenreichtum leider kostenmäßig eingeschränkt. Insgesamt gibt es aber auch beim Hörspiel eine Tendenz zur Serie und kürzeren Formaten. 
 
Welche Hörspiele sind bei den Hörern besonders beliebt? 
 
Skoruppa: Der Krimi ist nach wie vor eine sehr beliebte Form. Daneben sind es die Themen, die Relevanz haben - gute Stories die mit uns, der Gegenwart und unserer Situation zu tun haben. Das Hörspiel bietet eine hervorragende Plattform, Geschichten zu erzählen. 
 
Welche Chancen ergeben sich durch den Hörbuchmarkt für das Hörspiel? 
 
Skoruppa:Beim ersten Hörbuchboom vor zehn, 15 Jahren, profitierte das Hörspiel, weil es plötzlich auch auf dem Kaufmarkt gefragt war. Das riss dann mit der digitalen Downloadbarkeit ab. Beim gegenwärtigen neuen Boom, der vor allem gelesene Bücher betrifft, gibt es aber auch immer wieder Hörspiele, die sich selbst auf dem konventionellen CD-Markt behaupten. Das hilft dem Genre sehr, auch wenn wir hier im Vergleich etwa zum Audio-Online-Markt in den USA sehr hintendran sind. Aber Audio ist überhaupt nicht out, ganz im Gegenteil. 
 
Das Hörspiel war stets auch ein Experimentierfeld für Autoren, Musiker und Regisseure. Beim SWR wurde die Hörkunstschiene jedoch stark reduziert. Wird dieses Spielfeld erhalten bleiben, oder wird es publikumswirksameren Formaten in Zukunft weichen? 
 
Skoruppa: Schon weil der SWR den Karl-Sczuka-Preis verantwortet, werden wir weiterhin auch den experimentellen Hörspielformen Raum geben. Auch wenn der Spezialetat der Ars-Acustica-Schiene gestrichen wurde, gibt es aus dem Gesamtetat Mittel für die Radiokunst. Wir sind in der glücklichen Situation von einem relativ guten Zustand nun etwas abzuweichen zu müssen. 
 
Auf welchen Aspekt der Hörspieltage freuen Sie sich in diesem Jahr besonders? 
 
Skoruppa: Das sind vor allem die Liveproduktionen wie Paul Plampers Lautsprecherperformance „Absprung“, die sich mit der Migration beschäftigt. MIt dem Live-Hörspiel „Moabit“ bringen wir die Vorgeschichte zu Volker Kutschers Roman „Der nasse Fisch“ auf die Bühne, der die Vorlage zum gegenwärtigen Fernsehereignis „Berlin Babylon“ liefert, und zur Eröffnung gibt es ein kleines akustisches Kofferdrama von Martin Daske unter dem Titel „Do Not Leave Your Luggage Unattented!“. Wichtig ist mir aber auch die den Hörspieltagen vorgeschaltete Fachtagung „Hört Hört!“, bei der wir unter verschiedensten Aspekten zeigen, was man mit Hörspielen in der Schule anfangen kann. Das ist nicht nur rundfunk- und kulturpolitisch bedeutsam, denn Kinder, die nicht mehr mit dem Radio aufwachsen, sind als Erwachsene möglicherweise nicht mehr in der Lage, zuzuhören, zu analysieren und mitdiskutieren zu können.