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Internationales Orgelfestival in Pforzheim

Unter dem Zeichen der Pariser Kathedrale

Bild - Internationales Orgelfestival in Pforzheim
Zum dritten Mal lädt der Pforzheimer Förderverein der Schlosskirche Sankt Michael zum Internationalen Orgelfestival. Der Verein hatte sich ursprünglich gegründet, um die nach dem Krieg erbaute Steinmeyer-Orgel mit Hilfe von rund 600.000 Euro eingeworbenen Spendengeldern reorganisieren zu lassen. Das Ergebnis wurde zum großartigen Erfolg: das gewaltige Instrument mit mehr als 3000 Orgelpfeifen klingt in den rund 800 Jahre alten Kirchenmauern so fantastisch, dass sich dies in der gesamten Orgelszene schnell herumgesprochen zu haben scheint.

"Wir bekommen buchstäblich Anfragen aus der ganzen Welt", so Gerhard Baral, der langjährige Leiter des Kulturzentrums Goldener Anker und des Kulturhaus Osterfeld und seit 2015 freischaffende Kulturmanager und -berater in Pforzheim, der mit seinen Kontakten und Erfahrungen den Förderverein organisatorisch unterstützt. "So haben wir beschlossen, zumindest alle zwei Jahre ein größeres Orgelfestival zu organisieren, das dieses fantastische Instrument, das zweifellos in der Premier League spielt, in den Mittelpunkt stellt." Drei Termine finden sich im Kalender des Festivals, die freilich kaum unterschiedlicher sein könnten. Zum Auftakt gibt es eine spezielle Pforzheimer Produktion, in der die Königin der Instrumente auf das Südwestdeutsche Kammerorchester (SWDKO) trifft, das wiederum für diesen Abend seinen ehemaligen Leiter und Chefdirigenten (2013-2019) Timo Handschuh als Orgelsolisten und dessen Nachfolger und aktuellen künstlerischen Leiter, Daniel Bostock, in seinen Reihen hat. Das Pforzheimer SWDKO ist nicht nur weithin für seinen frischen und packenden musikalischen Zugriff und seine stilistische Kompetenz von der Alten bis zur Neuen Musik bekannt, sondern auch stets sehr offen, wenn es um programmatische Experimente und Grenzüberschreitungen in ungewohnte Metiers geht.

Auch der französische Starorganist Olivier Latry, seit 1985 Titularorganist an der Großen Orgel der Kathedrale Notre-Dame de Paris, hatte wohl bereits vom Pforzheimer Instrument gehört, so dass er schnell ein Konzert an der Schlosskirche zusagte, wie Baral berichtet. So wird er ein Programm französischer Komponisten, darunter seines berühmten Vorgängers an der Orgel von Notre-Dame, Louis Vierne, mitbringen, vor allem aber mit seinen weltweit hochgeschätzten Improvisationen überraschen, in denen er zeigen kann, was im jeweiligen Instrument zu Klingen gebracht werden kann.

"Und wenn man denn schon einen Vertreter dieser großen französischen Kathedrale zu Gast hat, hat es sich für uns fast schon nahe gelegt, mit dem "Glöckner von Notre-Dame" den passenden Stummfilm dazuzustellen, der von dem großer Stummfilmimprovisateur Otto Maria Krämer musikalisch begleitet wird. „Mir geht es darum, Orgelmusik zu dramatisieren", so der Musiker, der von Hause aus Kirchenmusiker ist und die Parallele zieht: "Liturgie ist ja auch nur eine Art heiliges Theater.“

So verweist Baral zu Recht darauf, dass seinen Mitorganisatoren Georg Leicht, Udo Schlittenhardt und ihm, die gemeinsam die musisch kulturelle Bildung an der Schlosskirche vorantreiben möchten, mit den drei Programmen des Orgelfestivals ein sehr vielseitiges und kontrastreiches Programm gelungen sei, das unterschiedliche Geschmäcker befriedige. Dass man mit dem SWDKO, aber auch dem Kommunalen Kino Kooperationspartner gefunden habe, beschreibt Baral in einer Stadt wie Pforzheim als großes Glück. Überhaupt habe sich in jüngster Zeit in der Kulturszene der Goldstadt viel Positives entwickelt, was sich wie der Alter Schlachthof als spannender neuer Ort mit den bestehenden Einrichtungen prima ergänze. Für der aktuellen Doppelhaushalt sei Pforzheim gerade im Vergleich zu den umliegenden Großstädten, in denen in der Kultur Heulen und Zähneklappern vorherrsche, geradezu das Tal der Glückseligen, da man zahlreiche Einrichtungen finanziell endlich auf solide Finanzierungen und die Gehälter an den Tarif des Öffentlichen Dienstes angepasst habe. In diesem Licht erscheint ein solches Internationales Orgelfestival fast wie ein großer Lobgesang.


Sa, 09. Mai 2026, 19:00 Uhr: Eröffnungskonzert mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim (Leitung: Douglas Bostock, Orgel: Timo Handschuh)

Fr, 15. Mai 2026, 20:00 Uhr: Orgelkonzert mit Olivier Latry, Titularorganist an Notre-Dame de Paris, mit Werken von Raison, Vierne und Duruflé

Do, 21. Mai 2026, 19:00 Uhr: Stummfilm-Improvisation "Der Glöckner von Notre Dame" (1923) mit Organist Otto M. Krämer. 
Infos und Tickets unter foerderverein-schlosskirche.de


Bild: Südwestdeutsche Kammerorchester - ©Jean Laffitau
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