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Happy Birthday, Independent Days!

Karlsruher Kurzfilmfestival feiert 25-jähriges Jubiläum

Bild - Happy Birthday, Independent Days!
Die von einem rein studentischen Team mit viel Improvisationsgeist ins Leben gerufenen Independent Days enwickelten sich im Laufe der Jahre organisatorisch und technisch weiter und wurde nach einer Open-Air-Ausgabe im Alten Stadion auf dem Campus und Zwischenstopps im Kulturzentrum Tempel sowie in der heutigen Kinemathek spätestens mit dem Umzug in die Schauburg in der Südstadt 2007 zu einem weit über die Region hinaus bekannten Kurzfilmfestival und zu einer wichtigen Plattform für unabhängige Filmschaffende. In diesem Jahr werden die Independent Days | Internationale Filmfestspiele Karlsruhe (IDIF) 25 Jahre alt: Von Mittwoch 15. bis Sonntag 19. April stehen 156 Filme aus 34 Ländern auf dem Programm. Von Kurzfilmen über Spielfilme bis hin zu Animationsfilmen und Dokumentationen ist wieder einmal alles dabei, alles mit wenig Budget und unabhängig entstanden und jenseits des Mainstreams. Festivalleiter Dr. Oliver Langewitz sprach mit uns.

Ausgrenzung, ökologische Verantwortung, KI und die aktuellen Krisenherde scheinen zu den wichtigen Themen des diesjährigen Festival zu gehören. Stimmen Sie zu? Können Sie mir bitte mehr über die inhaltliche Ausrichtung erzählen?
Ja, absolut. Diese Themen spiegeln sich deutlich im Programm wider. Viele Filme verhandeln Fragen von Identität, gesellschaftlicher Spaltung und struktureller Ausgrenzung. Ökologische Verantwortung ist schon seit einigen Jahren bei uns kein Randthema mehr, sondern wird zunehmend als existenzielle Zukunftsfrage erzählt – dokumentarisch wie fiktional. KI wiederum ist sowohl Gegenstand einzelner Filme als auch Meta-Thema im Rahmenprogramm, etwa in Panels zu Produktionsprozessen und ethischen Implikationen. Darüber hinaus beschäftigen uns mentale Gesundheit, Migration, Erinnerungskultur, weibliche Selbstbehauptung sowie der Umgang mit Wahrheit und Desinformation. Die inhaltliche Ausrichtung folgt keinem politischen Dogma, sondern einer kuratorischen Leitidee: gesellschaftliche Relevanz gepaart mit künstlerischer Eigenständigkeit.

Warum „Incinerate / Calcinación“ als Eröffnungsfilm? Warum Spanien als Gastland?
„Incinerate“ vereint psychologische Intensität mit einer klaren filmischen Handschrift. Der Film ist formal stark, atmosphärisch dicht und thematisch kompromisslos – genau das, was wir von einem Eröffnungsfilm erwarten. Spanien als Gastland ist kein Zufall: Die unabhängige spanische Filmszene hat in den letzten Jahren enorm an Profil gewonnen – mutig, genreoffen und gesellschaftlich reflektiert. Mit dem Fokus möchten wir diese Dynamik sichtbar machen und zugleich internationale Vernetzung stärken.

Können Sie mir bitte mehr über die anderen Langfilme „Color Of Exile“, „Toter Mann mit Hut“ und „Dream Theatre“ erzählen?
Diese drei Filme stehen exemplarisch für unsere kuratorische Bandbreite. „Color Of Exile“ behandelt Fragen von Identität und Entwurzelung in einer visuellen Sprache, die stark über Bildkomposition arbeitet. „Toter Mann mit Hut“ überzeugt durch seine eigenständige Tonalität zwischen Tragikomik und Gesellschaftsanalyse. „Dream Theatre“ wiederum ist formal experimenteller und reflektiert Wahrnehmung, Inszenierung und Realität.

Gibt es einen Beitrag, der Ihnen besonders am Herzen liegt?
Das ist naturgemäß schwierig, da letztlich alle Filme, die es ins Programm geschafft haben, auch von mir mit ausgewählt worden sind. Persönlich wichtig ist mir jedoch der KI-Schwerpunkt im Kontext von Filmproduktion, weil wir hier aktiv Diskurs gestalten – nicht nur programmatisch, sondern auch strukturell. Ebenso liegt mir das dokumentarische Kurzfilmprogramm beim Publikumspreis am Herzen, da hier oft besonders direkte gesellschaftliche Auseinandersetzungen stattfinden. Und besonders gespannt bin ich darauf, wie unsere beiden Kurzfilmprogramme für Kinder und Jugendliche ankommen, zumal wir bei „Shorts for Teens“ in diesem Jahr erstmals den Filmpreis der Jugend-Jury ausgelobt haben, d. h. der Preisträger-Film von Jugendlichen zwischen zwölf und 18 Jahren ausgewählt wird. Persönlich liegt mir insbesondere der Langfilm „The Color Of Exile“ am Herzen, da dieser die Geschichte eines jungen Albinos erzählt, der sich aus seiner Heimat auf die gefährliche Fluchtroute nach Europa durch verschiedene afrikanische Staaten begibt. Hier wird ein persönliches Schicksal erzählt, das mich sehr berührt hat.

Nach welchen Kriterien wurden die Filme für den Programmblock „Indierama Shorts For Teens“ ausgewählt?
Hier stehen Altersangemessenheit, Identifikationspotenzial und thematische Relevanz für junge Menschen im Zentrum. Wir achten auf Diversität, narrative Zugänglichkeit und filmische Qualität. Ziel ist es, junge Zuschauerinnen und Zuschauer ernst zu nehmen – ohne pädagogischen Zeigefinger, aber mit Substanz. Das Programm wurde, ebenso wie die „Shorts for Kids“, von filmisch erfahrenen Medienpädagogen ausgewählt.

Wird es ein Rahmenprogramm zum 25-jährigen Jubiläum geben?
25 Jahre bzw. die 25. Festivalausgabe: das ist ein signifikanter Meilenstein und dies in extrem schwierigen Zeiten, insbesondere wenn wir den Blick auf die Finanzen werfen. Denn der notwendige Sparkurs der Stadt trifft natürlich auch uns. Natürlich werfen wir gemeinsam mit Wegbegleitern einen Blick zurück und wollen unser Jubiläum auch ein wenig feiern. Das Jubiläum verstehen wir weniger als Nostalgie, sondern als Standortbestimmung und Zukunftsausblick.

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Wie in den Jahren zuvor werden auch 2026 zahlreiche internationale Filmschaffende, deren Filme im Programm laufen, zu Gast sein. Die Moderationen übernehmen die altbekannten und bewährten Festivalmoderatorinnen und -moderatoren aus dem Team, u.a. Nadine Knobloch, Rolf Oepen, Sina Seiler und Detlef Brucker.

Mi 15. bis So 19. April 2026
Schauburg, Marienstr. 16, Karlsruhe

Schauburg

Marienstr. 16

76137 Karlsruhe

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