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Rastetter und Wacker

Als "seltsames Paar“ zum 35sten

Bild - Rastetter und Wacker
Zwei frisch geschiedene Männer entscheiden sich zusammen in einem New Yorker Appartment zu leben. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein. Während Felix auf penible Sauberkeit und Ordnung achtet, sieht Oskar nur im Chaos Ordnung, und tut alles, Dinge nicht feinsäuberlich geordnet zu hinterlassen. Nach 35 gemeinsamen Jahren als Bühnenpartner und komedykabarett outen sich Erik Rastetter und Martin Wacker mit Neil Simons Komödienklassiker als seltsames Paar. Ob sie wirklich so seltsam sind erforscht ein Gespräch mit der Klappe Auf.


Martin, gibt es etwas an Deinem Bühnenpartner, das Du ausgesprochen seltsam findest?

Martin Wacker: Ich finde es seltsam, dass Erik die Charaktereigenschften des Felix praktisch in die Wiege gelegt sind, er muss nur einen Knopf drücken, schon ist er in der Rolle, das Hypochondrische, das leicht Pedantische ...

Erik Rastetter: Och, das find ich jetzt nicht so .... Aber Martin muss sich nicht viel verstellen, um den Oskar zu spielen, da gibt es schon eine Menge Überschneidungen.

Wacker: Das schlägt sich schon unseren Schminkköfferchen nieder. Eriks, klein, fein und wohlsortiert, und meiner ist ziemlich volumnös und ich habe ihn tatsächlich erst kürzlich zum ersten Mal in 35 Jahren bis auf den Grund ausgeräumt.

Rastetter: Eine archäologische Fundgrube! Teils essbare Premierengeschenke aus mehreren Jahrzehnten!

Als Kabarett-Comedy-Duo rastetter & wacker steht Ihr seit 1988 regelmäßig gemeinsam auf der Bühne. Was war der vermutlich seltsamste Moment in Eurer Karriere?


Rastetter: Ich weiß jetzt nicht, ob das wirklich seltsam war, aber folgender Moment hatte schon eine sehr bizarre Note. Wir hatten eine Nummer, in der das Essen mit den Restaurantgästen sprechen konnte. Ich war der Gast und lüftete die Wärmehaube meines Gerichts, unter der der mit Salat drapierte Kopf von Martin zum Vorschein kam. Und mitten auf seinem kahlen Schädel saß ein Weberknecht, der sich in Martins Schminke verfangen hatte. Ich starrte also fünf, sechs Minuten gebannt auf dieses Tier und wusste nicht so genau, wie da durchkommen.

Wacker: Ein andermal spielten wir in "Leonce und Lena" und waren auf Gastspiel. Erik hatte seine Kostümhose vergessen. Er beichtete und bekannte nun eben in seinen Jeans spielen zu müssen. Die anschließende Zeitungskritik titelte "Toller Regieeinfall: Leonce in Jeans". Wieder ein andermal hatten wir einen Dialog auf zwei aufblasbaren Sesseln, die in einer Vorstellung sage und schreibe beide ihre Luft verloren und uns auf einem Häufchen Plastik zurückließen.

Rastetter: Aber das Schöne bei uns ist, dass wir es immer hinbekommen, mit jeder Situation umzugehen und selbst in rauchenden Trümmern immer weiter zu spielen.

Wacker: Ein Wunder auch, dass wir, die wir uns beide privat über alles Mögliche halb tot lachen, auf der Bühne bisher nur sehr selten von Lachkrämpfe geplagt waren.

Warum habt Ihr Euch in diesem Jahr für die populäre Komödie entschieden, die durch zahlreiche Verfilmungen in den Köpfen der Menschen haftet?


Wacker: Natürlich kennen wir Filme und Fernsehserie von früher. Wir haben aber auch Dieter Hildebrandt und Werner Schneyder einst im Karlsruher Konzerthaus in "Sonny Boys" gesehen. Und seither geistert eine "Männerwirtschafts"-Komödie von Neil Simon auch über unseren Köpfen. Nnd nun schenken wir sie uns zum 35-Jährigen.

Rastetter: Vom Alter her können wir das gerade noch spielen, In fünf bis zehn Jahren würde das nicht mehr funktionieren. Wir haben uns bewusst entschieden, im Vorfeld der Proben keinen der Filme noch einmal anzuschauen. Doch haben wir den Spielort in einem New Yorker Appartement der 1960er Jahre belassen. Denn die Rollen, Witze und Klischees stammen eindeutig aus dieser Zeit und würden ins heute versetzt so nicht funktionieren.

Und was ist speziell, wenn Martin und Erik dann Oskar und Felix spielen?


Wacker: Als Kabarettist schlüpfst Du normalerweise in 120 Minuten in 18 unterschiedliche Rollen und musst Deine Pointen sehr punktuell abliefern. Hier gibt es nun einen hervorragenden Text, der die Rollen des komödiantischen Kammerspiels sehr klar beschreibt.

Rastetter: Auch wenn Neil Simon eine zum Schreien komische Vorlage liefert, zeigt sie jedoch stets, dass es hier um Menschen mit echten Problemen geht, was ja gute Komödien immer auszeichnet. Dabei ist die Kunst, gar nicht auf Komik zu spielen, da sich diese schon aus den Situation ergibt.

Wacker: Wir sind der Überzeugung, dass Simon mit seinem Prinzip "der eine regt den anderen auf" sich viel auch bei Laurel und Hardy abgeschaut hat.


> Fr 24. bis So 26. und Do 30. November 2023, jeweils 19.30 Uhr, So 18.30 Uhr, Theaterhaus Karlsruhe, Das Sandkorn, Kaiserallee 11

Sandkorn im Theaterhaus

Kaiserallee 11

76133 Karlsruhe

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