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Ausflugsziel mit 500-jähriger Geschichte

Schloß Bauschlott

Bild - Ausflugsziel mit 500-jähriger Geschichte
Wer heutzutage einen Ausflug ins reizvolle Kraichgauhügelland mit seinen eher sanften Erhebungen und immer neuen Perspektiven unternimmt, kennt vielleicht in Neulingen das Schloss Bauschlott, wo die ehemalige Tollhaus-Gastronomin Yvonne Kugele ein wunderbares Tagescafé führt, dessen leckere Kuchen und Torten man bei warmem Wetter im Magnoliengarten genießen kann.

Möglicherweise hat der eine oder die andere auch schon einmal davon gehört, dass die Schlossanlage auf den vor 200 Jahren verstorbenen Karlsruher Großbaumeister Friedrich Weinbrenner zurückgehen soll. Welche wechselvolle und reiche Geschichte der Ort jedoch verbirgt, der heute noch von den unterschiedlichsten Nutzungen kündet, ahnen jedoch die allerwenigsten.

Franz Littmann, der leider 2025 verstorbene, langjährige Klappe-Auf-Kunstexperte, Philosoph, Lehrer und Johann-Peter-Hebel-Spezialist widmete sein letztes Lebensjahr den Akten rund um die Schlossgeschichte und fand eine Fülle von Episoden seit ein gewisser Eglof von Wallstein vor rund 500 Jahren auf einem dem Kloster von Maulbronn abgekauften Flecken ein Wasserschloss errichten ließ, das seinen feudalen Lebensstil in Stein meiselte und bald auch schon ein Ort für Feiern, aber auch Theater, Feuerwerk und Ballett werden sollte. Doch es folgen der Dreißigjährige Krieg und andere Auseinandersetzungen, ehe mit dem Kauf des Schlosses durch den Karlsruher Stadtgründer Carl Wilhelm 1725 eine Friedensphase für die Region beginnt.

Vom barocken Absolutismus von Gottes Gnadenüber den aufklärerischen Geist des Enkels Karl Friedrich bleibt Bauschlott lange Zeit in der Hand des Badischen Hofs und wird schließlich im frühen 19. Jahrhundert von Friedrich Weinbrenner in seiner heutigen Gestalt neu aufgebaut. Wechselvoll bleibt auch die von Littmann in handlichen Kapiteln erzählte, reich bebilderte Geschichte des Bauensembles, das mal als Witwensitz, mal als reformistische Haushaltungsschule, dann im 20. Jahrhundert als Kriegsquartier für die Kunsthallenschätze, als Ausweichkrankenhaus, als ungarisches Gymnasium oder Lazarett diente, ehe es nach dem 2. Weltkrieg von einer Arztfamilie gekauft wurde und mit der Künstlergilde Buslatt zu einem kulturellen Zentrum heranwächst. Littmann verfolgt ebenso die Entwicklung der badischen Markgrafen und Großherzöge, wie er die Einbindung des Schlosskomplexes in die Gemeinschaft der Bauschlotter nachvollzieht.

Damit gelingt dem Autor ein einblicksreicher Beitrag zur Badischen Geschichte. Wer sich freilich für einzelne Aspekte wie die von den 1960er Jahren bis 2004 währende Künstlergildezeit interessiert, wird schnell merken, dass es noch viel mehr zu erzählen gegeben hätte, was den Rahmen des informativen wie unterhaltsamen Bandes jedoch sicherlich gesprengt hätte.

> Franz Littmann: Schloß Bauschlott, 500 Jahre Geschichte, Buchwerk am Kämpfelbach Neulingen 2025, ISBN 978-3-69216-004-7, 114 Seiten, 222 Abbildungen, 28,90 Euro