Klappeauf - Karlsruhe
Archiv: 03.2026
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ZKM

Brücke in die Zukunft

Bild - ZKM
Er war 2025 nach Karlsruhe gekommen, um, nach dem kurzfristigen Wechsel seiner Vorgängerin an die Hamburger Kunsthalle, für ein halbes Jahr als geschäftsführender Übergangsvorstand am ZKM auszuhelfen. Jetzt wurde der Düsseldorfer Holger Neinhaus von der Findungskomission nach einem ordentlichen Berufungsverfahren mit einem Vertrag bis 2030 ausgestattet. Klappe Auf unterhielt sich mit ihm über die Entwicklung des ZKM.

Sie sind Transformationsmanager, das heißt ein Begleiter von Übergängen und Umstrukturierungen innerhalb von Institutionen und Unternehmen. Wie lautete 2025 Ihr Auftrag?
Holger Neinhaus: Der hatte zunächst einmal nichts unmittelbar mit meiner Tätigkeit als Transformationsmanager zu tun, sondern eher damit, dass ich als kaufmännischer Vorstand ein Generalist mit Affinität zur Kultur bin. Es ging vor allem darum, in dieser Übergangsphase, in der ein geschäftsführender Vorstand gesucht werden sollte, den wissenschaftlich künstlerischen Vorstand Alistair Hudson von den kaufmännischen Aufgaben zu entlasten.

Hatten Sie damals im Geheimen vielleicht schon erhofft, dass sich in Karlsruhe auch etwas Langfristiges ergeben könnte?
Neinhaus: Das hatte ich eigentlich kategorisch ausgeschlossen. Mir ging es darum, die Kulturbranche einmal von innen kennenzulernen, und zu schauen, ob das für mich und für eine Kulturorganisation zusammenpasst. Dann hätte ich das vielleicht im NRW-Raum auch angestrebt, denn das ständige Reisen, das der Beruf als Unternehmensberater mit sich
bringt, wollte ich definitiv reduzieren.

Nun sind sie ja gleich in eine Phase geraten, die von finanziellen Spardebatten geprägt war und tatsächlich mit empfindlichen Kürzungen von rund 1,5 Millionen für das ZKM endete, was etwa die Hälfte des Ausstellungsetats ausmacht. Man hat den Eindruck, dass Sie diese Situation weniger als ein Desaster, denn als Herausforderung ansehen. Stimmt das?
Neinhaus: Das hat sich erst dazu entwickelt. Nachdem ich fünf, sechs Wochen hier war, kursierte eine Kürzungsandrohung von 8,7 Prozent. Ich habe eine Weile gebraucht, zu durchdringen, was dies tatsächlich für Auswirkungen hat, und da war dann schon das Gefühl eines Desasters. Als ich aber gemerkt habe, wie pragmatisch hier am Haus damit umgegangen wurde, erwuchs daraus für mich eine Chance. Es war schnell klar, dass wir nicht alle Pläne umsetzen können. Alistair Hudson hatte dabei als erstes Projekte von sich zur Verfügung gestellt, und damit anderen mehr Raum überlassen. Das war ein sehr starkes Beispiel für Leadership. Ich dachte, wow, da ist ein Team mit dem trotzdem etwas Spannendes, Neues entstehen kann.

Als das ZKM vor knapp 40 Jahren antrat, ging es darum, eine Verbindung zwischen traditionellen Künsten und Medientechnologie auszuloten, um vorausweisende Resultate zu gewinnen. Ist dieser Anspruch heute noch zeitgemäß?
Neinhaus: Ich denke, dieser Anspruch ist zeitgemäßer denn je. Wenn man in den frühen Dokumenten des ZKM nachliest, muss man bewundern, wie visionär die Gründungsväter damals geplant haben, und das nicht irgendwo in Massachusetts am MIT, sondern hier im Ländle. In der Technologie und auch in der politischen Gesellschaft werden gegenwärtig Welten verschoben, so dass die Auseinandersetzung mit der Kunst zwischen Technik und Gesellschaft kaum relevanter sein könnte. Und wo kann man das besser als am ZKM? Das ist auch einer der Hauptgründe, dass ich diesen spannenden Ort nicht gerne wieder verlassen hätte.

Seit Anbeginn steht das ZKM in einer Bipolarität zwischen einer Institution für die Karlsruherinnen und Karlsruher auf der einen Seite und einem großen internationalen Renommee auf der anderen Seite. Wie empfinden Sie dieses Spannungsverhältnis und auf welchen Wegen wollen Sie den unterschiedlichen Ansprüchen gerecht werden?
Neinhaus: Wenn man mit den Menschen hier spricht, wird schnell klar, wie wichtig ihnen das ZKM und seine Bedeutung ist. Wenn man dann fragt, und wann waren Sie denn das letzte Mal im ZKM, dann heißt es oft, ach, viel zu lange her. Alistair und die Kuratorinnen bekommen international immer wieder zurückgespielt, wie irre hoch das Renommee des Hauses im Ausland ist. Wir wollen keinesfalls diesen Leuchtturmcharakter und die intellektuelle Qualität unserer Kerngebiete aufweichen, aber vielleicht in Zukunft, durch leicht zugängliche Formate drumherum ergänzen, um das regionale Publikum öfter in das ZKM zu locken und keine Barrieren aufzubauen.

Mit ZKM 28 wollen Sie das ZKM auf eine neue Stufe heben. Wodurch sollte diese neue Stufe vor allem gekennzeichnet sein?
Neinhaus: ZKM 28 hat zwei gleichgewichtige Komponenten. Zum einen werden Alistair Hudson und sein Team die künstlerische Mission nach drei Jahren überprüfen und schauen, ob Programm und Mission zusammen passen. Zum anderen geht es um den kaufmännischen Teil, denn wir müssen schauen, von kurzfristigen finanziellen Turbulenzen unabhängiger zu werden. Dabei geht es um Einsparpotentiale bei der Gebäuden, der IT, dem Personal oder Versicherungen ebenso wie um Sponsoring und Partnership. Unsere Haupt finanzierungsquellen werden die Stifter von Stadt und Land bleiben, aber die öffentlichen Finanzen werden in absehbarer Zeit wohl kaum besser werden. Das Timing für das Projekt ZKM 28 passt auch ganz gut, da wir Ende 2027 30 Jahre ZKM im Hallenbau feiern und 1988 die Projektgruppe das grundlegende “Konzept 88” veröffentlichte. Da steht es uns gut an, eine weitere Ent wicklungsstufe zu definieren.

Sowohl in der Stadt, als auch in der internationalen Beachtung standen vielfach spektakuläre Ausstellungsprojekte, die nicht selten mit hochbrisanten Themen und innovativen Präsentationsformen ein großes Publikum anzogen. Wie kann man daran anknüpfen, wenn die Budgets heruntergekürzt sind?
Neinhaus: Indem man weniger macht, aber das richtig. Ich hoffe, dass wir das 2026 beispielhaft zeigen können. Wir werden halt keine sieben großen Ausstellungen, sondern vier große Formate zeigen. Darunter die Ausstellung “Silver Egg” im Juli, die an die umfassenden ZKM-Ausstellungen anknüpft und aufzeigt, was die Medienkunst gegenwärtig bewegt. Im kommenden Jahr werden wir dann unter anderem eine große Retrospektive von Jeffrey Shaw zeigen, der Gründungsdirektor des Instituts für Bildmedien am ZKM war und zu den wichtigsten Medienkünstlern weltweit zählt.

ZKM für alle? Was bedeutet das?
Neinhaus: Das ist das Ausstellungs- und Forschungsprojekt MARS! ein schönes Beispiel, weil es vielschichtig ist und verschiedene Ebenen einbezieht.