Klappeauf - Karlsruhe
Archiv: 02.2026
Musik Klassik

 

48. Internationale Händel-Festspiele

Bild - 48. Internationale Händel-Festspiele
Dezidiert politisch geben sich in diesem Jahr die Internationalen Händel-Festspiele, die Karlsruhe zum 48. Mal zum Treffpunkt der Barockmusikwelt werden lassen. Mit insgesamt 28 Veranstaltungen vom 20. Februar bis 8. März 2026 will das Badische Staatstheater unverdrossen das musikalische Flaggschiff hegen und pflegen, auch wenn angesichts von Millioneneinsparungen und der nunmehr auch in das große Haus vorrückenden Umbauarbeiten die Rahmenbedingungen nicht günstiger werden. "Uns ist wichtig, dass die Händel-Festspiele als städtisches Ereignis wahrgenommen werden und wir laden herzlich ein zu zweieinhalb an- und aufregenden Wochen – voller Musik, Esprit und internationalem Flair“, so bläst Operndirektor Christoph von Bernuth, der seit der vergangenen Spielzeit dem Festival vorsteht, zur Flucht nach vorn.

Politischer Händel
„Standhaftigkeit und Verachtung sind Waffen gegen die Tyrannei", mit diesem Zitat aus der zentralen Festspieloper "Tamerlano" sind in diesem Jahr die die Händel-Festspiele überschrieben. Für die 1724 uraufgeführte Oper hat Karlsruhe mit dem Freiburger Barockorchester und dem belgischen Barock-Opern-Spezialisten René Jacobs Superstars der historischen Aufführungspraxis Alter Musik verpflichtet, was das außergewöhnliche Werk, mit dem Händel auf unterschiedliche Weise mit gängigen Traditionen bricht, zu einem echten musikalischen Highlight werden lässt (ab Fr 20.2., Badisches Staatstheater). In "Tamerlano" geht es im Kern um eine auswegslos scheinende politische Bedrängnis, aus der sich der Gegenspieler Bajazet durch einen von Händel durchkomponierten Selbstmord auf offener Bühne befreit. Damit ist das Thema der Festspiele gesetzt, die programmatisch verschiedentlich um "Wege der Befreiung aus Diktatur und Despotismus" kreisen. Die Deutschen Händel-Solisten spielen ein Festkonzert mit dem renommierten italienischen Cembalisten und Dirigenten Andrea Marcon, auf dessen Programm am Freitag, 6.3., „Concerti, Arien, Duette zwischen Tyrannei und Versöhnung“ stehen. Eine musikalische Lesung "Die Kunst der Flucht" in der Landesbibliothek mit der Schauspielerin Antonia Mohr und einem eine Auswahl aus Bachs Kunst der Fuge spielenden Streichquartett der Deutschen Händel-Solisten zeigt am Samstag, 7.3., auf welche Weise es trotz Haft und Folter möglich sein kann, die innere Flucht anzutreten und Haltung zu bewahren. Seit vier Jahren fällt in die Festspielzeit der 24. Februar, an dem Putins Truppen 2022 die Ukraine überfielen. So wird bei den Händel-Festspielen eben nicht nur der 341. Geburtstag des Komponisten mit einem Geburtstags-Salon gefeiert, sondern auch des Kriegsausbruchs gedacht. In diesem Jahr spielt die aus Lwiw stammende Organistin Nadiya Velychko am 24. in der Christuskirche ein Orgel-Rezital, das Händel-Transkriptionen mit Werken ukrainischer Komponisten von der Klassik bis zur Gegenwart vereint.


Strahlender Händel
Insgesamt vier Opern, darunter die Wiederaufnahme der gefeierten Zauberoper "Rinaldo" (Foto) der Vorjahresfestspiele (ab Fr 27.2. Badisches Staatstheater), Kino, Vortrag und zahlreiche reizvolle Konzerte ergänzen das Festspielprogramm, das seit dem vergangenen Jahr mit dem Farinelli-Wettbewerb für Countertenöre über eine weitere, weithin ausstrahlende Attraktivität verfügt (Finale Sa 28.2. und Mo 2.3., Badisches Staatstheater). Im Galakonzert unter Leitung von Attilio Cremonesi singt Starsopranist Maayan Licht Arien voller Bravour und Sentiment von Porpora, Vivaldi und Händel (Sa 21.2., Badisches Staatstheater). Sie sind eingebettet in Orchesterwerke von Benjamin Britten, Ralph Vaughan Williams und Arvo Pärt, die ihrerseits ihre Inspiration und Kraft aus der Musik alter Zeiten schöpfen. In der Evangelischen Stadtkirche ist am Sonntag, 1. März, eine große Bandbreite kirchenmusikalischer Werke zu erleben: im Chorkonzert "Glanz und Stille" sind Händels dramatisches Dixit Dominus, seine festliche Hymne Zadok the Priest, ein Orgelkonzert und Auszüge aus Arvo Pärts meditativer Berliner Messe zu hören. Es singen Solisten des Staatstheaters und der Karlsruher CoroPiccolo, der damit auch sein 30-jähriges Bestehen feiert. Eine beliebte Tradition der Händel-Festspiele sind die „Crossover“-Konzerte, in denen Genregrenzen überschritten werden. In diesem Jahr erwartet das Publikum mit dem Janoska-Ensemble (Do 5.3., Badisches Staatstheater) eine musikalische „Revolution“. Mit unbändiger Spielfreude und atemberaubender Virtuosität führen die Musiker der aus Bratislava stammenden Familie bekannt geglaubte Werke von Beethoven bis zu den Beatles in eine neue Dimension. Das vollständige Programm der Internationalen Händel-Festspiele 2026 findet sich auf der Webseite des Badischen Staatstheaters.


Bild: "Rinaldo", Foto: ©Felix Grünschloß