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Vielfalt, Demokratie und Weltoffenheit

Stadtjugendausschuss feiert 75sten

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Ob Zirkus Maccaroni, die Kinder- und Jugendhäuser, das Jubez, Aktivspielplätze, Ferienangebotae oder Spiel mit! während DAS FEST: In der Fächerstadt ist der Stadtjugendausschuss Karlsruhe e.V. (stja) eine feste Größe. Er bietet Kindern sowie Jugendlichen Möglichkeiten, sich frei im Spiel zu entfalten, Demokratie zu leben und unterstützt bei Berufsfindung, familiären Problemen sowie Persönlichkeitsentwicklung. 2026 feiert er sein 75-jähriges Jubiläum. Auch wenn das gesamte Jahr für den stja im Zeichen des Feierns steht, sind vom 12. März bis zur Abschlussveranstaltung am 25. Mai an 75 Tagen ebensoviele verschiedene Veranstaltungen für unterschiedliche Zielgruppen geplant. Klappe Auf unterhielt sich mit Daniel Melchien, seit 2021 Geschäftsführer des stja, über Geschichte und Gegenwart seiner Institution.


Vor 75 Jahren haben sich die Jugendverbände der Stadt zu einem Dachverband zusammengeschlossen. Was waren damals die Gründe und Ziele?
Daniel Melchien: Nach dem zweiten Weltkrieg versuchten gerade auch junge Menschen, das gemeinschaftliche Leben wieder zu organisieren und knüpften dabei an Strukturen an, die es bereits vor der Nazizeit gegeben hatte wie die Pfadfinder, die kirchliche oder die Sportjugend. Der Zusammenschluss wurde damals von den amerikanischen Besatzern sehr unterstützt, weil die bei der Redemokratisierung große Hoffnung in die Jugend gesetzt hatten.

Welche Vorteile bringt die Mitgliedschaft heute für die einzelnen Mitglieder, die ja den unterschiedlichsten Hintergründen angehören?
Melchien: Der Stadtjugendausschuss hat in Karlsruhe die Aufgabe der kommunalen Jugendarbeit übertragen bekommen, daher können die aus der Ehrenamtlichkeit kommenden Verbände über uns auch an Zuschüssen partizipieren. Sie werden darüber hinaus von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützt und etwa in rechtlichen oder organisatorischen Fragen beraten. Sie können sich mit anderen Verbänden vernetzen und gemeinsame Projekte angehen. Sie erhalten Schulungen etwa zu Themen wie dem Schutz vor sexualisierter Gewalt. Der stja versucht außerdem gegenüber der Politik die Interessen der einzelnen Verbände zu vertreten und unterstützt ihre Aktivitäten mit Räumen. In der Gemeinschaft sind wir viel, viel wirksamer.

Dass der stja von der Stadt damit beauftragt wurde, die kommunale Jugendpflege zu übernehmen, ist bis heute ein sehr seltenes Modell in Deutschland. Wo sehen Sie gegenwärtig die größten Herausforderungen, die sich daraus ergeben?
Melchien: Die größte Herausforderung scheint mir gegenwärtig, dass die Finanzierung bei der Stadt liegt und diese vor großen finanziellen Einsparungen steht. Aber die Alternativen, ob die Stadt nun eine eigene Jugendarbeit aufzöge oder eine Vielzahl von Trägern untertützte, würde an dieser Situation ja nichts verbessern. Wir können hingegen über Kooperationspartner und durch die Unterstützung ehrenamtlicher Strukturen besser versuchen, dieses große Problem halbwegs vernünftig zu lösen.

Was bedeuten die Sparmaßnahmen für die Arbeit des stja und wie geht er damit um?
Melchien: Bei uns geht es darum, bis 2030 eine recht hohe Anzahl an städtische Stellen einzusparen. Wenn man bedenkt, dass ein kleineres Jugendzentrum weniger als zwei, ein größeres weniger als vier Planstellen hat, kann man sich ausrechnen, welche dramatischen Folgen die Einsparung von zwölf Stellen bedeuten könnte. Man könnte ja entsprechend Orte schließen und Aufgaben wegfallen lassen. Doch der Austausch vor Ort zeigt deutlich die Notwendigkeit, möglichst viele Orte offenzuhalten, weil die Jugendlichen längst nicht so mobil, sondern sehr ortsgebunden sind, und gerade in der offenen Arbeit verbindliche Beziehungen brauchen. Wir versuchen vor allem, größere Arbeitseinheiten zu schaffen, um die möglichste Effizienzsteigerung des Overheads herauszuholen. Doch um reduzierte Öffnungszeiten und schmerzhafte Notwendigkeiten werden wir nicht herum kommen.

Der STAJ hat ja durch seine doppelten Rolle als Dachverband und Träger der kommunalen Jugendarbeit eine gleichzeitig professionelle und eine ehrenamtliche Struktur. Ergeben sich aus diesem Doppel Spannungen oder eher Synergien?
Melchien: Ich sehe da natürlich vor allem Synergien, weil die Leute aus der Verbandsarbeit auch den professionellen Bereich mit unterstützen, etwa bei dem großen Kinderfest in der Günther-Klotz-Anlage, was eine tolle Sache für die Kinder ist. Andererseits sind wir als Träger der kommunalen Jugendarbeit zu einer Überparteilichkeit verpflichtet, weshalb sich manche Verbände vom stja in politische Debatten stärkere Parteinahme wünschen würden.

Wenn demnächst der neu zu gründende Jugendverband der AfD in den stja aufgenommen werden wollte, könnte er sich dagegen wehren?
Die parteipolitischen Jugendverbände werden nicht direkt Mitglieder des stja. Grundsätzlich gilt für alle Jugendverbände die innerverbandliche Demokratie und inhaltliche und organisatorische Unabhängigkeit vom Erwachsenenverband als wichtiger Prüfstein. Der stja hat gerade jetzt zum Jubiläum seine Werte noch einmal überarbeitet und steht für Vielfalt, für Demokratie und Weltoffenheit.