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Archiv: 02.2011
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Michaela Vieser

Von Kaffeeriechern, Abtrittanbietern und Fischbeinreißern

Bild - Michaela Vieser
Die gebürtige Karlsruherin Michaela Vieser erzählt in ihrem neuen Buch von „Berufen aus vergangenen Zeiten.“ Natürlich fragt man sich, wie sie ausgerechnet auf die Idee hierzu kam, und zwar vor allem deshalb, weil ihre beiden ersten Bücher so ganz anders waren. Das erste erforscht nämlich „Übersehene Sehenswürdigkeiten“ in Deutschland, und im zweiten, viel beachteten Band „Tee mit Buddha“, erzählt die Japanologin von ihrem einjährigen Aufenthalt in einem japanischen Kloster.

„Es war Zufall“, sagt Michaela Vieser, „ich habe mit der Illustratorin Irmela Schautz an einem ganz anderen Projekt gearbeitet, als wir bei der Recherche auf den Beruf des Kaffeeriechers stießen.“ Das übrigens waren von Friedrich dem Großen eingesetzte Kriegsveteranen, die illegal erstandenen Kaffee mit ihrer Nase aufspüren sollten. Freilich geht es nicht nur um die exquisiten, unappetitlichen oder exotischen Berufe: „Wir wollten auch erzählen, weshalb diese Berufe in ihrer jeweiligen Epoche entstanden sind.“
„Der Zeidler ist der einzige Beruf, den ich mir vorstellen könnte, selbst auszuüben“, lacht die 38-Jährige. Das war bis ins 17. Jahrhundert der Waldbienenzüchter. In ihren Porträts der verschiedenen Berufe ergänzen sich übrigens Autorin und Illustratorin: „Irmela hat die Tätigkeiten so plastisch gezeichnet, dass ich die handwerklichen Vorgänge und Werkzeuge im Text nicht detailliert beschreiben musste.“

Wie kommt es, dass sie drei so völlig unterschiedliche Bücher geschrieben hat´ „Wenn man genau hinsieht, entdeckt man einen roten Faden“, so Michaela Vieser, „ich bin in die Fremde eingetaucht, um im Eigenen wieder aufzutauchen.“ Was prätentiös klingt, ist jedoch ganz einfach. Nach ihrem Studium in London und ihrem Aufenthalt in Japan, nach zehn Jahren Abwesenheit aus Deutschland, mußte sie ihr Geburtsland buchstäblich neu erfahren. Und das tat Michaela Vieser mit ihrem heutigen Mann ganz konkret und im VW-Bus. „Daraus entstanden die ‚Übersehenen Sehenswürdigkeiten‘“, ein Buch, das von Erich Honeckers Schlafgewohnheiten in Text und Bild erzählt, von der Mumie des Ritters Kahlbutz, von einem bodenlosen Loch im Fränkischen oder anderen skurrilen, aber typisch deutschen Orten. Ins Fremde eingetaucht ist sie auch im japanischen Kloster. „Wenn man japanische Kunst verstehen will, muss man auch das Wertesystem verstehen, deshalb wollte ich Japan intensiv erleben“, erinnert sie sich. Wobei sie „Tee mit Buddha“ erst 13 Jahre nach ihrem Aufenthalt geschrieben hatte. Es gebe für sie noch viele Schleier und Mysterien in Japan, resümiert sie ihre Erfahrungen. Mit die lebhafteste Erinnerung sei übrigens ein Bad in einer heißen Quelle „mit Schnee, der auf Zedern fiel.“
Während Michaela Vieser sich über den Erfolg ihres aktuellen Geschichtsbuches der besonderen Art freut, ist schon der „Nukleus“ für ihren ersten Roman in ihrem Kopf entstanden, eine Geschichte, die - es wundert nicht - im „alten Japan“ spielt. maske

Michaela Vieser/ Irmela Schautz: Von Kaffeeriechern, Abtrittanbietern und Fischbeinreißern. Berufe aus vergangenen Zeiten. C. Bertelsmann, 19,99 Euro