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Archiv: 07.2012
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Schwarzwaldmädel

Film und Literatur in Baden-Württemberg

Bild - Schwarzwaldmädel
Ein Literaturland ist Baden-Württemberg ganz gewiss, ein Filmland ist es (noch) nicht. Sieht man einmal von Martin Walser ab, von dem einige Texte, mehr oder eher weniger gut, verfilmt wurden und der auch selbst Drehbücher geschrieben hat, ist die Verbindung zwischen Literatur und Film im Musterland eher lose. So musste man schon ein wenig weiter ausholen und die unterschiedlichsten Assoziationen zwischen Literatur und Film ins Spiel bringen, um eine kleine Filmreihe zur Ausstellung „Literatur in Baden-Württemberg 1970-2010“ im Literaturmuseum im Prinz-Max-Palais auf die Beine zu stellen.

Schauplatz der drei Doppelvorstellungen im Juli ist die Schauburg. Im Doppelpack werden Filme gezeigt, die thematisch und motivisch in einer Beziehung zu einander stehen, die auch ein Spannungsverhältnis sein kann. Im ersten Fall ist das ganz bestimmt so: „Schwarzwaldmädel“ (1950), die Verfilmung einer Operette, stand am Beginn einer Reihe von Heimatfilmen, die das Bild von Papas Kino in den 50er-Jahren prägten. Die Schmonzette von Hans Deppe machte Rudolf Prack und Sonja Ziemann zum Traumpaar des frühen Nachkriegsfilms, erhielt den deutschen Filmpreis, Bambi, der damals noch in Karlsruhe verliehen wurde, und ließ die Kinokassen klingeln. Letzteres kann man von „Viehjud Levi“(1999) nicht sagen. Didi Danquart bearbeitete und verfilmte das erste Theaterstückes seines Freundes, des bereits 1995 verstorbenen Thomas Strittmatter, in dem am Beispiel eines jüdischen Viehhändlers gezeigt wird, wie und mit welchen Folgen der Nationalsozialismus sich im Schwarzwald, Strittmatters Heimat, breit ge-macht hat. Um „Dichterbilder“ geht es in der zweiten Doppel-vorstellung am 14.. Dem heroischen Schillerbild, das der 1940 entstandene Spielfilm „Friedrich Schiller – Triumph eines Genies“ im Stil der NS-Zeit zeigt, wird das moderne, differenzierte Bild des Dichters Friedrich Hölderlin gegenübergestellt, dass die Autorin Susanne Schneider und Regisseurin Nina Grosse in „Feuerreiter“ zeichnet.
Bernward Vesper war die wohl interessanteste, schillerndste Figur im Spannungsfeld von Literatur und politischem Engagement in der APO-Zeit. Er war mit Gudrun Ensslin liiert, leistete mit ihr Wahlkampfhilfe für Willy Brandt, bevor sie, nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes Felix, an der Seite von Andreas Baader den RAF-Terror initiierte. Vesper driftete ab in den Wahnsinn und beging 1971, im Alter von 33 Jahren Selbstmord unter Hinterlassung des schwer lesbaren autobio-grafischen Romanessays „Die Reise“. An dessen narratives Gerüst hält sich der Film „Die Reise“ (1986), der am 21. auf dem Schauburgprogramm steht, zusammen mit „Wer wenn nicht wir“ (2011), in dem der Stuttgarter Filmemacher Andres Veiel einen anderen, analytischen Blick auf das Paar Vesper/Ensslin wirft.
Vor den Filmvorführungen, der erste Film beginnt um 14.30 Uhr, der zweite um 16.30 Uhr, gibt der Filmkritiker und Literaturwissenschaftler Dr. Peter Kohl sachdienliche Hinweise zum Verständnis. -ko