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Gabi Dziuba & Friends

Verbindung von Schmuck, Design und bildender Kunst

Bild - Gabi Dziuba & Friends
Gabi Dziuba (Foto: Teresa Iten) ist eine Avantgardistin ihrer Zunft, entwirft Schmuck an der Schnittstelle von Design und Kunst und bevorzugt den inspirierende Austausch mit bildenden Künstlerinnen und Künstlern. Freundschaften und Kooperationen – etwa mit Martin Kippenberger, Günter Förg, Tobias Rehberger, der Karlsruher Kunstprofessorin Kalin Lindena und der Objektkünstlerin Alexandra Bircken – waren und sind grundlegend für das Arbeiten der Schmuckdesignerin. Gabi Dziuba & Friends ist der deshalb treffende Titel einer großen Überblicksschau des Schmuckmuseums Pforzheim, die die außergewöhnliche Bandbreite ihres Schaffens in vier Jahrzehnten vor Augen führt.

Rund 20 bildende Künstlerinnen und Künstler sowie zwei Schmuckgestalterinnen, mit denen Dziuba für das Finden und Umsetzen bildnerischer Ideen zusammen gearbeitet hat, sind in der Schau vertreten. Präsentiert sind Schmuck von Gabi Dziuba aus all ihren Schaffensphasen und Schmuckstücke, die in Kooperation mit befreundeten bildenden Künstlern und Künstlerinnen entstanden sind sowie eine repräsentative Auswahl deren eigener Werke. Diese Gemälde, Skulpturen, Installationen und Fotoarbeiten werden in Kooperation mit dem im selben Gebäude befindlichen Kunstverein Pforzheim gezeigt.

Beeinflusst von unterschiedlichen Stilen in Mode und Musik, von Pop Art und Minimalismus ebenso wie von der Postmoderne, sind die Werke der in Singen am Hohentwiel geborenen Schmuckkünstlerin doch immer rigoros eigen. „Sie hat virulente Strömungen in der jeweiligen Zeit fast schon erspürt und avantgardistisch umgesetzt“, sagt Schmuckgestalterin Elisabeth Heine vom Kuratorenteam der Ausstellung. So versah Dziuba schon früh in den 1980er Jahren poppige Schmuckstücke mit Brillanten und verwandelte Banales und Massenhaftes wie Bohnen, Tablettenverpackungen, Buchstaben, Sicherheitsnadeln oder Streichhölzer durch das Gießen in Gold oder Silber in etwas Einzigartiges und Hochwertiges. Alltägliches, Triviales kontrastiert mit wertvollem Material, alles kann zu Schmuck werden.

„Auch heute verschließt Gabi Dziuba sich nicht neuen Strömungen und arbeitet viel mit jungen aufstrebenden Künstlerinnen und Künstlern zusammen“, betont die Kunsthistorikerin Vera Gliem, die ebenfalls zum, mit Museumsleiterin Cornelie Holzach und Kunsthistoriker Stephan Strsembski vierköpfigen, Kuratorenteam gehört.

Wie Inhalt und Gestalt von Schmuck und Bildender Kunst im Entstehungsprozess voneinander profitieren können, erfuhr Dziuba früh in ihrer Ausbildung: Ihr Lehrer Reinhold Reiling an der Kunstgewerbeschule Pforzheim legte großen Wert darauf, nicht zwischen angewandter und bildender Kunst zu trennen. Er war ein Wegbereiter der Auffassung, Schmuck als gleichrangig mit Malerei und Plastik zu betrachten. Ab 1972 studierte Dziuba an der Akademie der bildenden Künste in München in der renommierten Goldschmiedeklasse von Hermann Jünger. Auch er sah Schmuckgestaltung als künstlerische Disziplin an und förderte den Austausch der Studierenden unterschiedlicher Klassen. Wie vielfältig und bereichernd die Ergebnisse interdisziplinärer Zusammenarbeit in der Verbindung von Schmuck, Design und bildender Kunst in ihrem fließenden Ineinander-Übergehen sein können, ist in dieser bemerkenswerten Schau zu entdecken.
Gabi Dziuba, Anhänger „Streichholzbriefchen“, 2018 Silber, Einbrennlack, Foto: Winfried Reinhardt

Abbildungen:
Gabi Dziuba, Anhänger „Streichholzbriefchen“, 2018 Silber, Einbrennlack, Foto: Winfried Reinhardt

Alexandra Bircken, Gabi Dziuba Armreif „Natodraht“, 2023, Silber,
Foto: Winfried Reinhardt © VG Bild-Kunst, Bonn 2024



> bis 26. Mai 2024, Schmuckmuseum Pforzheim, Jahnstraße 42, Di–So und feiertags 10:00–17:00 Uhr.

Schmuckmuseum Pforzheim

Jahnstr. 42

75173 Pforzheim

07231 / 392126

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