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Jim Avignon

Der Exil-Karlsruher Jim Avignon gibt nach langer Abstinenz wieder ein Gastspiel in seiner alten Heimatstadt Karlsruhe. Während man in den vergangenen Monaten nach Stuttgart oder Frankfurt (dort läuft noch bis 26. Mai die „A Bigger Brother“-Ausstellung im Museum für Kommunikation) fahren musste, hat man nun an mehreren Tagen die Möglichkeit, ihn in geballter Fassung zu erleben. Den Auftakt macht er auf der art Karlsruhe am Stand von Schacher-Raum für Kunst Stuttgart (H4/R07). Dort wird er seine "Black Market"-Installation aufbauen. Die Wände sind voll gepflastert mit kleinen Bildern, in ”Petersburger Hängung", allerdings alle falschherum mit dem Rücken zum Betrachter. Die Rückseiten sind schwarz bemalt und mit kleinen Preisen versehen (zwischen 10 und 100 Euro). Erst wenn man ein Bild gekauft hat, sieht man, was man erstanden hat. Und da er schon mal in der Stadt ist, ließ er es sich nicht nehmen, zwei weitere Events zu bespielen. Am 20. Februar ab 22:00 Uhr wird er bei der legendären Hackerei-Schallplattenauktion in Erscheinung treten und am folgenden Tag im Studio 1 ab 19:00 Uhr einen seiner neoangin-Gigs zelebrieren.  
Jim Avignon ist Maler, Illustrator und Konzeptkünstler und einer der ungewöhnlicheren Charaktere in der aktuell eher karriereorientierten deutschen Kunstszene. Immer wieder sucht er die Konfrontation mit dem Establish­ment und legt sich dabei selten fest, ob er nun Pop-Art-Künstler, Street-Art-Performer, ein Picasso on acid oder einfach nur der schnellste Maler der Welt sein will. Sein Markenzeichen sind leuchtende Farben, gelegentlich beißender Witz, unprätentiöses Material und ein schwindelerregender Output. Sie sollen ganz offen zum Nachdenken anregen und ersetzen erhabene Selbstreferenzialität durch schwarzen Humor und Selbstironie. Avignons Bilder karikieren das Kunstbetriebssystem und richten sich auch an Menschen, die von der Goldrahmen-Aura der sogenannten Hochkunst eher gelangweilt oder abgeschreckt sind. “Good Artists Go To The Museum, Bad Artists Go Everywhere”.  
Avignon lebt und arbeitet seit über 20 Jahren in Berlin. In den 90ern war er vor allem durch seine zahlreichen Clubdekorationen als Maler der Technoszene bekannt. 2013 machte er von sich reden, als er in einem inszenierten Flashmob sein denkmalgeschütztes Bild an der East Side Gallery unerlaubt neubemalte. Seine Kunst funktioniert wie Popmusik im DIY-mode - zur eigenen Unterhaltung produziert und im Guerilla-Verfahren unters (Club-)Volk gebracht. Seit vielen Jahren ist er außerdem als 1 Mann Band neoangin unterwegs. Seinen Sound beschrieb die New York Times mit “Packed with cartoonish characters and clever commentaries on Berlins gentrification”. Seltsame Titel, trotzige Beats, eine schnell ansteckende melancholische Fröhlichkeit und die extragroße Portion DIY Charme sind die Zutaten für den ganz besonderen Sound aus denen Avignon seine ganz speziellen Songs über Staub, Pappkartons und Coworking­spaces zimmert. Avignons Shows sind opulente Happenings – Sound, Bühnenbilder, Masken und absurde Einfälle - in zwei Minuten von Party zu Krise zu Euphorie zu Wahnsinn und Trauer.  
 
> art Karlsruhe, Messe Karlsruhe, 21. bis 24. Februar, 11:00 bis 19:00  
 
>   Alte Hackerei, Alter Schlachthof 11, Karlsruhe, am 20. Februar ab 22:00 Uhr > Studio 1, Karlstr. 85, Karlsruhe, 21. Februar ab 19:00 Uhr

Alte Hackerei

>>Alter Schlachthof 11
76131 Karlsruhe
 
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