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Berufsverbote

Kampf für demokratische Recht

1968 und die Folgen in Karlsruhe ist das vielschichtige Thema der Ausstellung Bewegt Euch! im Karlsruher Stadtmuseum. Zum Thema „Berufsverbote“, die in den 70er Jahren auch in Karlsruhe für Aufregung sorgten, leiten heute Gerlinde Fronemann und Hans Ille einen Rundgang durch die Sonderschau. 1972 beschloss die Ministerpräsidentenkonferenz unter dem Vorsitz von Bundeskanzler Willy Brandt den sogenannten „Radikalenerlass". Zur Abwehr von Verfassungsfeinden sollten „Personen, die nicht die Gewähr bieten, jederzeit für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzutreten“, aus dem öffentlichen Dienst ferngehalten bzw. entlassen werden. Mithilfe der „Regelanfrage“ wurden etwa 3,5 Millionen Bewerberinnen und Bewerber vom „Verfassungsschutz“ auf ihre politische „Zuverlässigkeit“ durchleuchtet. In der Folge kam es zu mehr als 10.000 offiziellen Berufsverbotsverfahren und Tausenden Disziplinarverfahren, Ablehnungen von Bewerbungen und Entlassungen. Formell richtete sich der Erlass gegen „Links- und Rechtsextremisten“, in der Praxis traf er vor allem Linke. Berühmtestes Opfer aus heutiger Sicht war der baden-württembergische Ministerpräsident, der sich im Nachhinein allerdings verständnisvoll zeigt: „Warum hätte der Staat damals jemanden einstellen sollen, der im KBW für die Diktatur des Proletariats eintrat?“ In die Referendarausbildung und den Schuldienst sei er dann doch gekommen, „weil ich mich von diesem Club abgewendet habe“. Dass Berufsverbote auch heute noch ein Thema sind, zeigte vor wenigen Jahren der Fall des Heidelberger Realschullehres Michael Csaszkóczy. > Stadtmuseum Karlsruhe, Prinz-Max-Palais, Karlstraße 10, 17:00 Uhr 

Stadtmuseum Karlsruhe

>>Karlstr. 10
76133 Karlsruhe
 
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