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Flusspferde am Oberrhein – wie war die Eiszeit wirklich?

Waldnashörner, Wasserbüffel, Waldelefanten und Flusspferde waren früher am Oberrhein heimisch - in der letzten Warmzeit, Eem-Warmzeit genannt, die etwa vor 126.000 Jahren begann und vor 115.000 Jahren endete. Die Temperaturen waren damals im Jahresmittel mehrere Grad höher als heute. Deutlich kälter, so wie man sich eine Eiszeit gemeinhin vorstellt, war es in der darauf folgenden Kaltzeit: In der bis vor 11.700 Jahren dauernden Würmkaltzeit zogen Mammuts, Wollhaarnashörner, Steppenbisons und Riesenhirsche durch die oberrheinische Steppenlandschaft.  
Seit 2,6 Millionen Jahren leben wir in einem Eiszeitalter – das heißt, beide Pole sind mit Eiskappen bedeckt. Dass es in einer Eiszeit eben keineswegs immer eisig kalt ist, sondern Kalt- und Warmzeiten sich abwechseln, ist ein Aspekt, den die Große Landesausstellung im Naturkundemuseum Karlsruhe auf einer Zeitreise in die wechselvolle Vergangenheit des Klimas am Oberrhein anschaulich macht. Auf fast 700 Quadratmetern zeigen geologische Belege, Tier- und Pflanzenpräparate, Originalfossilien und imposante lebensgroße Modelle, wie es in der Zeit von vor etwa 126.000 bis vor 11.700 Jahren am Oberrhein aussah. Spuren in der Landschaft und in Gesteinen, Bodenprofile und Pollendiagramme geben Auskunft darüber, wie sich das Klima entwickelte und die Ökologie der Pflanzen- und Tierwelt beeinflusste.  
Derzeit, nach dem Ende des Würm, leben wir in der Holozän-Warmzeit mit relativ milden Wintern und gemäßigten Sommern. „Die Ausstellung fasst zusammen, wie es in der Region, in der wir leben, früher einmal ausgesehen hat, sie möchte aber auch dazu anregen nachzudenken und zu fragen, wo wir jetzt stehen“, sagt Eberhard „Dino“ Frey, Leiter der geowissenschaftlichen Abteilung und Hauptkonservator des Staatlichen Naturkundemuseums.  
Zu den herausragenden Einzelobjekten der Schau gehören die Schädel von Höhlenlöwe und Höhlenbär, Stoßzähne von Waldelefant und Wollhaarmammut, das mächtige Geweih eines Riesenhirschs und der Daxlander Nashornschädel, der 1802 am Rheinufer entdeckt und zunächst für den Schädel einer Meerjungfrau gehalten wurde - er ist einer der besterhaltenen Schädel eines Waldnashorns weltweit. 
Stimmungsvolle Inszenierungen empfinden die Landschaft zwischen Vogesen und Schwarzwald nach und zeigen typische Pflanzen und Tiere der Warm- und Kaltzeit, ausgestorbene wie heute noch existierende. Von den frühen Menschen zeugen Steinwerkzeuge, Fossilien und Schädelabgüsse. Neben Tastbildschirmen, Hör- und Riechstationen ergänzt ein vielfältiges Begleitprogramm die Schau, so gibt es am So 24. Juni, 11:00 Uhr, eine Kuratorenführung mit Eberhard „Dino“ Frey.  
 
> Naturkundemuseum Karlsruhe, Erbprinzenstraße 13, Do 21. Juni 2018 – So 27. Januar 2019, Di-Fr 9:30-17:00 Uhr, Sa, So+Feiertage 10:00–18:00 Uhr.  

Staatliches Museum für Naturkunde

>>Erbprinzenstr. 13
76133 Karlsruhe
 
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