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Harald Hurst, So ischs wore

 
Den Fans und Lesern sind sie lieb und teuer geworden: Die Figuren von Harald Hurst. Es sind stets die gleichen Paare, seit Jahren liiert, es sind die Mitmenschen in der Fußgängerzone, die Gäste der „Benefizgala in de Mehrzweckhall“. Sie sind gut situier mit Couchgarnitur, Leseecke, „ein auf antik gemachter Sessel, Stil Louis-seize.“ Die Paare lieben sich und zoffen sich, die Fetzen fliegen wegen eines Seitensprungs, alles ist gediegen, aber gemein und vor allem sehr menschlich. Nur: Sie sind älter geworden, mit dem Autor und mit seinen Fans und Lesern. So finden sich neben badisch-bruddligen Dialogen beim Flanieren, neben den boulevardesken Kammerspielen angesiedelt in einer badischen Kleinstadt, stille, nachdenkliche, ja melancholische Texte. Wer Harald Hurst kennt, hat ihn während der Lektüre der (schriftdeutschen) Erzählung „Der Taubenbeobachter“ vor Augen, wie er mittags bei einem Glas Wein Geflatter und Gevögel beobachtet: „Das anstrengende Imponiergehabe kann ich mir sparen. Die Zeiten sind Gott sei Dank leider vorbei.“ Und dennoch erzählt Hurst in „Pfifferling-Sommer“ von einem Techtelmechtel mit einer viel jüngeren Frau. Das ist keine peinliche Altherrenprosa, sondern ein reifer Text ums Verlieben im Alter mit dem soliden Wissen um die erzählerischen Grenzen – es ist auch glatt der beste Text des neuen Buches. 
„So ischs wore“ reiht sich nahtlos ein in das Hurstsche Oevre. „Ach Gott/ sin die alt wore“, die Klassenkameraden im „Nebezimmer vom Kühle Krug“, „die zarte Gila aus de Schul/ braucht heut zum Sitze/ noch die Hälfte von meim Stuhl“. Mal blickt Hurst spöttisch auf die jetzt buchstäblichen Alt-68er ( „so ischs halt wore/ manche ziehe zu viel Saft/ annere verdorre“) mal selbstironisch: „was mich e bissl ärgert/ wenn ich so überleg// ich hab noch nie im Lebe/ mehr Geld in d Apothek/ als in d Wirtschaft getrage.“ 
 
> Silberburg-Verlag, 190 Seiten, 16,90 €.