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Buchbesprechung: Matt Ruff > Lovecraft Country

 
Kultautor Matt Ruff war schon immer ein Meister darin, die verschiedensten Genres mit seinem ganz eigenen, versponnenen Stil in etwas Neues zu verwandeln. Von seinen legendären "Fool on the Hill" und "G.A.S" bis hin zu "Mirage", in dem am 11.9. nicht Moslems Amerika angreifen sondern militante Amerikaner Mekka zerstören, war für ihn keine Idee zu abwegig. Nun nimmt er die klassische Horrorliteratur von H.P. Lovecraft und anderen Autoren als Anregung. Doch bei ihm sind die größte Gefahr keine Dämonen, Außerirdischen oder Zombies - hier ist es die ganz reale Zeit des Rassismus in den USA der 50er Jahre, die Ruff im Stil einer Gruselgeschichte darstellt. Das in Schauergeschichten oft genutzte Stilmittel einer Stadt, in der alle Einwohner auf Fremde zur Bedrohung werden, das Haus, in dem die Gäste scheinbar willkommen sind und hervorragend bewirtet werden, dort aber in Wahrheit Opfer eines teuflischen Plans sind, all dies kennt man. Nur das Umfeld wird bei Ruff mit seiner skurrilen Fantasie mal wieder zu einem schier unglaublichen Abenteuer. Wahrlich - man braucht keine übersinnlichen Monster, der reale Rassismus reicht für genug Grauen. Dass die Geschichte dennoch auch stark ins Fantastische driftet, ist dann wieder typisch Matt Ruff. Der Schwarze Atticus Turners, der übrigens ebenfalls gerne Lovecraft liest, macht sich auf die Suche nach seinem Vater, der eine seltsame Einladung bekommen hatte. Er kommt mit seinen Begleitern nach „Lovecraft Country“, einem Ort mit scharfen Rassengesetzen und erreicht eine Villa, in der die Weißen ihn und seine Begleiter gut behandeln, wenn auch widerwillig. Dahinter steckt der perfide Plan einer rassistischen Geheimloge die nach Macht strebt. > Hanser Verlag, 432 Seiten, 24 Euro oder als eBook 17,99 Euro