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Romantisches an der Tanke und schnödes Ende einer Ehe

In Dortmund kann man die Geschichte der drei Kumpels, die von einer unbeschwerten Weltreise total abgebrannt wiederkehren und, um sich zu retten, ins Tankstellengeschäft einsteigen, derzeit gar als „Punk-Operette“ über sich ergehen lassen. Doch derlei schroffe Töne werden die guten Freunde Willy, Kurt und Hans im Karlsruher Kammertheater nicht anschlagen, wenn Ingmar Otto die „Drei von der Tankstelle“ inszeniert, einen Stoff, der einst die Filmoperette kreierte und Heinz Rühmann zum großen Durchbruch verhalf. Doch angestaubt will die musikalische Komödie in Karlsruhe keineswegs rüberkommen. „Natürlich strotzt dieses Stück von Nostalgie, und ist einer Zeit entsprungen, die nicht mehr mit unseren aktuellen Sorgen und Nöten vergleichbar ist. Doch haben wir am Haus seit der erfolgreichen Produktion zu den Comedian Harmonists dieses Genre nicht mehr bedient, und alleine schon die Musik, die mit Evergreens wie ‚Ein Freund, ein guter Freund‘, ‚Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen‘ oder ‚Lieber, guter Herr Gerichtsvollzieh’r‘ in das Stück eingewoben ist, schafft große Lust, die Drei von der Tankstelle auf die Bühne zu bringen,“ so Kammertheaterintendant Otto, dessen Inszenierungen musikalischer Bühnenstücke auch außerhalb des eigenen Hauses gefragt und angesehen sind. „Die Dreiecksfreundschaft der Männer, die sich über das Monetäre keine Gedanken machen, ehe sie hart auf dem Boden der Realität landen, da wird es schon wieder absurd aktuell. Dazu eine hinreißende Liebesgeschichte, das ist schon ein gefundenes Theaterfressen, das in einer skurril zugespitzten Spielweise eine schöne romantische Nostalgie ergibt.“ Mit behutsam in Richtung Rockabilly aufgehübschten Arrangements, hohem Tempo, bei dem alle sechs Darsteller mehrere Rollen zu bewältigen haben, und eine mal atmosphärisch unterstreichende, mal pointiert vorantreibende Liveband versprechen zeitlose Unterhaltung, was Otto auch als Kontrapunkt zu den ansonsten eher poppig-rockig angelegten Stücken seines Hauses sieht. 
 
Als zweite März-Premiere des Kammertheaters kommt in der Nebenspielstätte K2 die schwarze englische Komödie „Gatte gegrillt“ (Foto) auf die Bühne, eine Übernahme des Theaters Ingolstadt, die der dortige Intendant und frühere Schauspieldirektor am Badischen Staatstheater, Knut Weber, inszenierte. Was vom Titel her auf eine konventionelle Boulevardkomödie schließen lässt, stellt sich bei genauerem Hinsehen als raffiniert gebaute und überraschungsreich zynische Komödie heraus. Auch wenn man bei der Essenseinladung einer Gastgeberin für ihren Ex und seine neue Flamme schnell ahnt, dass der männliche Part den Abend kaum unbeschadet überstehen und das Haus mit den Füßen voran verlassen dürfte, sei der gegrillte Gatte keineswegs geschmacklos und makaber, sondern schön bissig und britisch schwarz, so Otto: „Knut Weber hat Debbie Isitts böser Vorlage durch seine ins Absurde gesteigerte Inszenierung noch mehr Schärfe verliehen und auch die von Elvis stammende Lieblingsmusik des männlichen Protagonisten sorgt auf ihre Weise für zusätzliche Effekte.“  
 
> ab 9. März 2018 „Die Drei von der Tankstelle“, Kammertheater Karlsruhe, Herrenstraße 30/32; ab 2. März 2018, „Gatte gegrillt“, K2, Kreuzstraße 29 

Kammertheater

>>Herrenstraße 30/32
76133 Karlsruhe
 
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