Klappeauf - Karlsruhe
Alle Artikel
Kunst, Ausstellungen Ausstellungen

 

Neobiota – Natur im Wandel

Bild - Neobiota – Natur im Wandel
Der aktuelle Wandel in der Natur ist das Thema der Großen Landesausstellung „Neobiota – Natur im Wandel“, die bis September 2022 im Naturkundemuseum Karlsruhe gezeigt wird. Klappe Auf unterhielt sich mit dem Biologen Manfred Verhaagh, der mit seiner Kollegin Ramona Dölling die Ausstellung federführend erarbeitete.

Alle reden von der Biodiversitätskrise, also dem Verschwinden der Artenvielfalt in unserer Natur. Sie machen eine Ausstellung zu Neobiota, Neuankömmlingen in unserer Biosphäre. Inwieweit bedingen sich diese beiden Phänomene gegenseitig?

Manfred Verhaagh: Das hängt schon miteinander zusammen. Weltweit und lokal beobachten wir den Rückgang der Artenvielfalt bei Insekten und Feldvögeln, was nicht zuletzt mit der Vernichtung großer Regenwälder zusammenhängt. Gleichzeitig haben wir globalen Handel und Tourismus, die zur Verbreitung gewisser, sehr anpassungsfähiger Arten beitragen. Davon sind freilich nur 0,1 Prozent für unsere Biosphäre problematisch. Diese nennen wir invasiv, weil sie wie der Riesenbärenklau einheimische Arten zu verdrängen drohen. Bei den sich unauffällig eingliedernden Arten könnte man tatsächlich von einer lokalen Bereicherung unserer Biodiversität sprechen, unter dem Strich freilich ist die Bilanz eher negativ.

Welche Chancen und welche Risiken bieten denn die Neobiota für eine Region wie den Oberrhein? Können Sie ein "gutes" und ein "schlechtes" Beispiel nennen?

Verhaagh: Ein schlechtes Beispiel ist sicherlich der Kalikokrebs, der in kleinere Gewässer ausgesetzt wurde, die teilweise dem Amphibien- und Libellenschutz dienen. Der Calicokrebs verwüstet diese Biotope förmlich. Es gibt aber auch eine ganze Reihe von Pflanzen, die für uns keine Probleme machen, aber aber wir wissen nicht, wie etwa genetische Veränderungen schädliche Entwicklungen hervorrufen können. Es gibt in der Fachliteratur darüber eine breite Diskussion, aber es ist eine Tatsache, dass die Natur sich wandelt und wir keine Chance haben, das komplett aufzuhalten. Bei stark negativ wirkenden Arten, wie manchen Wanderratten, die schon ganze Reptilienarten ausgerottet haben, versucht man gegenzusteuern, aber das ist aufwändig, teuer und der Erfolg ist nicht gesichert. Ein anderes Beispiel wären die Halsbandpapageien, die man mittlerweile entlang des Rheins vielerorts als freifliegende Populationen findet. Da können wir bisher keine negativen Auswirkung feststellen, und das sind schöne Vögel, die viele Menschen als Bereicherung empfinden. Andere eingewanderte Tiere sind vielleicht Ernteschädlinge oder stellen wie etwa die Bisamratten eine Gefahr für technische Bauten dar, für die Biosphärendiversität sind sie hingegen kein Problem.

Gab es besondere kuratorische Herausforderungen bei der Erarbeitung dieser Ausstellung?

Verhaagh: Gerade diese Komplexität und Vielfalt der Thematik aufzuzeigen, haben wir uns zur Aufgabe gemacht. Wir sind ja im deutschsprachigen Raum nicht die erste Ausstellung zu diesem Thema, aber meist wurden da bisher nur die üblichen Verdächtigen vorgestellt. Unser Anliegen war es, dies auf eine viel breitere Basis zu stellen, die Schwierigkeit, die Ausstellung damit nicht zu überladen. Wir haben den Wandel der Natur seit dem Ende der letzten Kalkzeit in den Blick genommen. Die Neobiota, die man ab der Wiederentdeckung Amerikas so einordnet, waren ja nicht die ersten migrierenden Arten, hier war die neue Dimension, dass die Organismen aus fernen Kontinenten über den Seeweg kommen konnten. Doch seit der Mensch auf der Erde zum bestimmenden Element wurde, verändert sich die Natur mit seiner Entwicklung. So hat zum Beispiel der Ackerbau unsere früher vor allem durch Wälder geprägte Region stark verändert und Tiere und Pflanzen wie den Klatschmohn mitgebracht. Diese heute vielfach als einheimisch angesehenen sogenannten Archäobiota zeigen wir ebenso wie ursprünglich heimische Tiere und Pflanzen, die über lange Zeit hier verschwunden waren und sich aus unterschiedlichen Gründen gegenwärtig ihren Lebensraum zurückerobern.

Wenn Sie in die Zukunft blicken, wie wird sich aus Ihrer Sicht unser Lebensraum in den kommenden 10, 50 oder 100 Jahren verändern?

Verhaagh: Die Veränderungen werden weitergehen und nicht Halt machen. Denn die Ursachen wie der Warenverkehr werden nicht aufhören. Dazu wird der Klimawandel zu Verschiebungen führen. Organismen, die sich an Kälte angepasst haben, werden es zunehmend schwerer haben. Im Amazonasgebiet merkt man dramatisch, wie es immer Trockener wird, was gewaltige Auswirkungen auf die Diversität hat, die sich ja gerade in dieser großen Feuchtigleit ausprägen konnte. Die entscheidenden Frage ist, ob und wie wir den Klimawandel noch in den Griff bekommen können. Eine Erwärmung von 4, 6 oder 8 Grad wird zum Zusammenbruch unserer bisherigen Lebenswelt führen. Aus Wäldern werden Savannen und aus Steppen Wüsten. Das ist ein Szenario, von dem man gar nicht mehr weiß, was da von dem heutigen Lebensraum übrig bleibt. Man kann zwar modellieren, welche Ökosysteme bei einer bestimmten Temperaturerwärmung denkbar sind, aber man kann in keiner Weise vorhersehen, wie sich das konkret entwickeln wird, weil die künftige Verteilung der Niederschlagsmengen vollkommen unvorhersehbar ist.

Staatliches Museum für Naturkunde

Erbprinzenstr. 13

76133 Karlsruhe

0721 / 1752111

| Infos

WEITERE ARTIKEL

Kunst, Ausstellungen

Ausstellungen

Ausstellungen
Bild: Baustellen im Bild

Baustellen im Bild

Die eingerüstete Pyramide, Zäune und Kräne am Marktplatz, Absperrungen in der Karlstraße und ein Sonntagsspaziergang im unterirdischen Rohbau: Die sparsam, aber effektvoll kolorierten, teils digital bearbeiteten Marker-Zeichnungen von Tom Boller - seine „Karlsruher Lieblingsbaustellen“ - sind...
Ausstellungen
Bild: Eisen und Stahl

Eisen und Stahl

Eisenschmuck vom Ende des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts und aktuelle Stücke aus Stahl zeigen die Vielfalt gestalterischer und kulturgeschichtlicher Aspekte im Schmuck. Aus der Sammlung Klaus-Peter und Judith Thome stammen die Exponate der Schau Zart wie Eisen: Colliers, Armbänder, Ohrgehänge,...
Ausstellungen

Feuer und Licht

Skulptur, Farbe, Licht und Musik verbindet Thomas Dörr und will damit zum Staunen, Träumen und Mitmachen anregen. In seiner erstmals öffentlich gezeigten Live-Video-Installation lassen sich gemeinsam raumgreifende Raum- und Farbwelten entdecken und verändern. Die Themen Feuer und Licht stehen beim offenen Atelier von Sabine Classen, die mit Hilfe des Feuers Ton in beständige Skulpturen verwandelt, im Mittelpunkt. > Keramik-Atelier-Haus, Karlsruhe-Grötzingen, Kirchstraße 12, Sa 04. Dezember...
Ausstellungen
Bild: Göttinnen des Jugendstil

Göttinnen des Jugendstil

Ihre Locken winden sich zu Ranken, ihre feingliedrigen Körper formen sich zum Vasendekor. Sie symbolisieren den Frühling und die Natur, sind mal Furie, mal Hexe, repräsentieren ein idealisierendes, an die Antike und Byzanz angelehntes Schönheitsideal oder den Aufbruch in die von Sportlichkeit und...
Ausstellungen
Bild: Heldenhafte Fotografie

Heldenhafte Fotografie

Von Hause aus Musiker, Saxophonist und Instrumentallehrer beschäftigt sich Cornelius Held seit einigen Jahren auch mit der Fotografie. In diesem Herbst sind seine Arbeiten in einem Café in der Karlsruher Nordweststadt zu sehen. > 2. Oktober bis 14. Dezember 2021, Cafe´ vis-à-vis, Bienwaldstr....
Ausstellungen
Bild: HfG-Rundgang

HfG-Rundgang

Die rund 400 Studentinnen und Studenten an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung (HfG) lernen Theorie und Praxis des Ausstellungs- und Kommunikationsdesigns und der Szenografie, befassen sich mit Kunstwissenschaft, Medienphilosophie, Medienkunst und Produktdesign. Zu welchen eigenen Ideen und Objekten...
Ausstellungen
Bild: Ikone 2021

Ikone 2021

Der „Belebung künstlerischer Handwerkskunst“ galt die Gründung der Großherzoglichen Majolika-Manufaktur im Jahr 1901, verbunden mit dem Wunsch nach „segensreichem Einfluss“ auf die künstlerischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Stadt. Zum 120-jährigen Bestehen der Keramikwerkstätte...
Ausstellungen
Bild: Im Zeitalter der Goldfische

Im Zeitalter der Goldfische

Gold ist, neben Rot und Grün, die Farbe der Weihnachtszeit. Der warme in dieser dunklen Zeit höchst willkommene Lichtschimmer des Goldes und seine Symbolhaftigkeit für die mit Gaben und Geschenken eng verbundene Weihnachtszeit inspirierte die nicht um einen Hintersinn verlegenen Künstlerinnen und...
Ausstellungen
Bild: It s teatime

It s teatime

Der Geschichte des Tees und seines Genusses widmet sich die Ausstellung „It’s teatime - Teegenuss in Messing“. Im Mittelpunkt stehen goldglänzend schimmernde Gerätschaften aus Messing rund um den Tee und die Kultur ihn zu servieren: von der Dröppelminna - einer bauchigen Warmhaltkanne mit Beinchen...
Ausstellungen
Bild: Jahresausstellung der Karlsruher Kunstakademie

Jahresausstellung der Karlsruher Kunstakademie

Junge Talente > Im Gegensatz zur Sommerausstellung, bei der alle Studierenden ausstellen dürfen, trifft eine Professoren-Jury bei der Jahresausstellung der Karlsruher Kunstakademie die Auswahl der Werke, die im Lichthof des Akademiegebäudes gezeigt werden. Dabei werden nur die Arbeiten von jenen berücksichtigt,...
Ausstellungen
Bild: Karlsruhe im Fokus

Karlsruhe im Fokus

Die fotografischen Impressionen der Bildjournalistin Adelheid Heine-Stillmark und der Fotografen Walter Schnebele und Dietmar Hamel aus den 1970er bis 1990er Jahren zeigen Gebäude, Ereignisse und das Alltagsleben in Karlsruhe aus mitunter überraschendem Blickwinkel. Die aus den Beständen des Stadtarchivs...
Ausstellungen

Les Femmes Erotique

Seit fünf Jahrzehnten stellt Norbert Hess als Fotograf leicht oder unbekleidete Frauen mit idealen Körperproportionen vor seine Linse. Seit 25 Jahren fertigt er daraus Fotokalender. "Für mich ist wichtig, dass mein Model in einem ihm angenehmen Umfeld in seiner individuell charakteristischen Erotik gezeigt wird", sagt Hess, der die Betrachter seiner Bilder auf "eine Reise in die nahe und entfernte Vergangenheit" schicken will. > 12. Dezember 2021 bis 9. Januar 2022, Galerie Kunstfachwerk N6,...
Ausstellungen
Bild: Marny Staib

Marny Staib

Unter dem Titel "Aufgeblüht – Flora, Farbe, Fantasie" zeigt Marny Staib, die ihre Leidenschaft fürs Malen und Zeichnen autodidaktisch untermauerte, vielfältige Blumenmotive in kräftigen und kontrastierenden Farben. In ihrer Acrylmalerei kombiniert sie die Farbe teilweise mit Strukturpasten, Malerkrepp...
Ausstellungen
Bild: Mitgliederausstellung 2021  des Badichen Kunstverein>

Mitgliederausstellung 2021 des Badichen Kunstverein>

Kurz vor Weihnachten sind im Badischen Kunstverein alljährlich die Mitglieder dran. Nach der digitalen Mitgliederausstellung 2020 im vergangenen Jahr soll sich die Vielfalt der Karlsruher Kunstszene nun wieder über Wände, Podeste und den Boden des historischen Gebäudes in der Waldstraße 3 ergießen....
Ausstellungen
Bild: Neobiota – Natur im Wandel

Neobiota – Natur im Wandel

Die Tigermücke, der Asiatische Marienkäfer und die Heraklesstaude gehören zu den prominenten Vertretern jüngst eingewanderter Arten. Die Globalisierung zeigt sich auch in der Natur, und das nicht erst neuerdings – Wein und Kartoffel waren hier ebenfalls einst unbekannt. Häufig durch Güterverkehr...
Ausstellungen
Bild: Nobody s Listening

Nobody s Listening

Bei der Verfolgung durch Terrormilizen des sogenannten „Islamischen Staats“ (IS) ab 2014 wurden im Nordirak insbesondere Mädchen und Frauen der ethnisch-religiösen Gemeinschaft der Jesiden entführt, gequält und ermordet. Die Ausstellung „Nobody´s listening“ zeigt Fotografien, Gemälde und...
Ausstellungen
Bild: Triple Lilac

Triple Lilac

Lea Gocht, Peco Kawashima und Nina Laaf beschäftigen sich in ihrer Kunst, wenn auch auf jeweils unterschiedliche Weise, alle mit grundsätzlichen Fragen nach Gestalt, Raum und Verdichtung. Ihre Skulpturen, Installationen und Papierarbeiten, die sie unter dem Titel „Triple Lilac“ zeigen, überraschen...
Ausstellungen
Bild: Vorglühen

Vorglühen

Eine besonders große Vielfalt an Themen, Techniken und künstlerischen Sichtweisen verspricht die Schau „Vorglühen“, denn hier zeigen Mitglieder des BBK und der fGEDOK gemeinsam und ohne Vorgaben aktuelle Werke. Die gemeinsame Ausstellung ermöglicht den Teilnehmenden einen anregenden Austausch...
Ausstellungen
Bild: Was ist Schmuck?

Was ist Schmuck?

Allerorten in der Menschheitsgeschichte spielte und spielt Schmuck eine Rolle. Welche Gestaltungsprinzipien ihm gemeinsam sind und welche Unterschiede es beim Thema Schmuck jenseits vermeintlicher Grenzen wie Kultur, Region oder Epoche gibt, darauf wirft die Neupräsentation der ethnografische Sammlung...
Ausstellungen
Bild: Wasser marsch!

Wasser marsch!

175 Jahre Freiwillige Feuerwehr Durlach > Als Christian Hengst 1846 in Durlach eine mit moderner Technik ausgestattete Feuerwehr gründete und seine Mannschaft professionell ausbildete, war so etwas in Deutschland noch nicht üblich. Die Sonderausstellung zeigt nun, wie sich die Feuerwehr in Durlach...

MELDUNGEN

Vocalensemble Rastatt

Europäisches Adventskonzert

Bild: Vocalensemble Rastatt
Das Vocalensemble Rastatt, grammy-nominiert und einer der profiliertesten professionellen deutschen Kammerchöre, wartet am 11. Dezember um 19.30 Uhr in der Stadtkirche St. Alexander, Rastatt (Kaiserstr.), mit seinem Dirigenten Holger Speck und der Harfenistin...

weiterlesen

Sinnliche Badewelt

Bild: Sinnliche Badewelt
Das Palais Thermal ist wegen seiner einzigartigen Kombination aus historischer Bäderarchitektur und moderner Saunalandschaft eine Besonderheit in Deutschland. Im Erdgeschoss können sich die Besucher in vielen traumhaft schönen Badebereichen unterschiedlicher Größe und je nach Becken...

weiterlesen

Dickes Blech sucht Proberaum

Gerne auch zur Mitnutzung

Bild: Dickes Blech sucht Proberaum
Dickes Blech“ ist die Band der Lebenshilfe Karlsruhe, Ettlingen und Umgebung. Neun Musikerinnen und Musiker mit Handicap machen hier mit großer Begeisterung zusammen Musik.

Leider können sie seit Ausbruch der Corona-Pandemie nicht proben, da der Proberaum im Lebenshilfehaus...

weiterlesen

Anzeige
Bild: Erstwohnsitz Karlsruhe