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Badisches Staatstheater: NSA im Rampenlicht

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„Ich bereue nichts"

Mit der Ankündigung, ein Stück über den Whistleblower Edward Snowden zu entwickeln, hatte das Badische Staatstheater bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Anders als im vergangenen Jahr, als sich mehrere Bühnen parallel an Stücken über die rechtsextreme Terrorzelle NSU versuchten, ist die Karlsruher Bühne diesmal alleiniger Vorreiter. Mit Regisseur Jan-Christoph Gockel und Dramaturg Konstantin Küspert wurde wieder dasselbe Team verpflichtet, das im vergangenen Jahr erfolgreich aktuellste Zeitgeschichte theatertauglich gemacht hatte. Diesmal ging die Recherchereise in die USA, wo die Grundlagen des Einpersonenstücks zur Abhöraffäre des amerikanischen Geheimdienstes gelegt wurde. Nun hat „Ich bereue nichts“ Premiere. Tags zuvor gibt es eine Voraufführung um die herum die dritte Staffel der „Anti-Prism-Party“ stattfindet, bei der man alles erfährt, „was man schon immer über Verschlüsselung wissen wollte, aber bisher nicht zu fragen wagte“. Klappe Auf unterhielt sich im Vorfeld mit dem Dramaturgen und Autor Konstantin Küspert und Schauspieldirektor Jan Linders.

Was interessiert das Theater an der NSA-Problematik, einer doch eher abstrakte Angelegenheit, wenn man einmal von der Betroffenheit der Deutschen absieht, dass das Handy ihrer Kanzlerin abgehört wurde?

Konstantin Küspert: Mich interessiert die Person Edward Snowdon, weil ich es spannend finde, herauszufinden, was einen Menschen dazu treibt, sein ganzes bisheriges Leben hinter sich zu lassen. Er hatte ja selbst seiner Frau auf Hawaii erzählt, er sei nur kurz weg, um dann in Shanghai die ganzen Informationen zu veröffentlichen. Auf der anderen Seite ist die Rezeption durch die Weltöffentlichkeit einerseits als Held der Selbstbestimmung in einer digitalen Welt und zum anderen als Verräter, der Soldaten und Geheimdienstler seines Heimatlandes in Gefahr bringt.

Jan Linders: Dieses Thema hier am Theater aufzugreifen liegt am Informatikstandort Karlsruhe nahe. Zudem sitzt hier ja auch die Bundesanwaltschaft, die in dieser Sache sehr unter Druck gesetzt wurde.

Inwieweit ist reizvoll oder gefährlich eine quicklebendige Person, über die man ja nicht allzuviel Konkretes weiß, auf die Bühne zu bringen?

Küspert: Wir verfolgen als Theater ja keinen dokumentarischen Ansatz und der Mehrwert für das Publikum liegt bei einer künstlerischen Herangehensweise nicht in erster Linie in der Information. Von daher können wir uns auf der Basis des Bekannten Freiheiten herausnehmen und natürlich spielen in einer solchen Arbeit auch die eigenen Biografien der Beteiligten ihre Rolle.

Linders: Snowdon ist schon dadurch, dass er wie ein Held gehandelt hat, eine theatralische Figur. Es geht dabei nicht um die Frage von Gut oder Böse, vielmehr merkt man je länger man sich mit ihm beschäftigt, dass seine Figur desto komplexer wird. Es wäre nicht schlecht, wenn man am Ende unseres Abends verwirrter herausgeht, als man gekommen ist.

Die Angelegenheit hat ja in der Ahnungslosigkeit der Betroffenen und der Naivität der Allgemeinheit im Umgang mit den elektronischen Medien auch seine komischen Seiten. Inwieweit spielt Humor in diesem Stück eine Rolle?

Küspert: Humor ist ein wunderbares Mittel, Informationen zu transportieren und spielt so eine große Rolle. Der Witz darf nur nicht die Ernsthaftigkeit der Produktion überlagern, denn letztlich geht es um ein ernstes Thema. Man kann je nach Perspektive durchaus Parallelen zwischen Snowdon und einem Don Quichote ziehen.

> Sa 11. Oktober 2014, ab 14 Uhr, „Anti-Prism-Party 3. Staffel“, Foyer des Staatstheaters Karlsruhe; 19.30 Uhr, Voraufführung „Ich bereue nichts“, So 12. Oktober 2014, 19 Uhr Premiere

Badisches Staatstheater

Hermann-Levi-Platz 1

76137 Karlsruhe

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