Archiv Ausgabe Mai 2008 Verschiedenes Meldungen

Bye, Bye Kuno

Gedenkveranstaltung

 
> Sonntag, 15. Juni, 11 Uhr, Jubez, Karlsruhe Kronenplatz 
 
Freunde und Kollegen erinnern an den Karlsruher Schriftsteller und Kritiker, an das Durlacher Original und den langjährigen Weggefährten. 
Eine literarisch-musikalische Matinée mit Texten von und über Kuno Bärenbold. Mit Harald Hurst, Gunzi Heil, Harald Schwiers, Matthias Kehle und anderen. 
 
 
Nachruf von Peter Kohl 
 
„Ich habe ein Defizit an Leben, das ich schreibend aufzuholen versuche“. Dieser Satz steht im ersten Buch von Kuno Bärenbold, in den man auch nachlesen kann, was ihn in den Knast gebracht hat. Dieses Defizit hat er wohl nie ganz aufzuholen vermocht und jetzt ist es endgültig zu spät dafür. Kuno Bärenbold starb am 6. Mai, 61jährig, an den Folgen eines Herzinfarkts. 1946 in Pfullendorf am Bodensee geboren, wurde der gelernte Zimmermann in den acht Jahren Haft, die er in Strafanstalten in Konstanz, Stuttgart-Stammheim und Heilbronn absaß, zum leidenschaftlichen Leser und zum Schriftsteller.  
Als er vor 30 Jahren nach Karlsruhe kam, entwickelte er sich zu einem der rührigsten Mitglieder der Literaturszene der Stadt. Sechs schmale Bücher, „Der Einzelgänger“, „Heroes & Zeroes“, „Das Leben ist auch nicht mehr das, was es mal war“, „In bester Gesellschaft“, „C´est la vie“ und „Bye, Bye“, erschienen von ihm, in denen er nicht nur über seine eigene bewegte Lebensgeschichte Auskunft gab, sondern auch den gesellschaftlichen Außenseitern seine Stimme lieh. Unermüdlich betätigte er sich bis zuletzt als „Leseverführer“ im Karlsruher Anzeigenblatt „Kurier“, in der evangelischen Zeitschrift „Standpunkte“ und in anderen Publikationen, aber auch mit Lesungen in Jugendzentren, Schulen, Gefängnissen und Kulturkneipen.  
 
Geradezu Kultstatus genossen die gemeinsamen Lesungen mit seinem langjährigen Weggefährten Harald Hurst. Zusammen mit dem musikalischen Kabarettisten Gunzi Heil füllten sie in den letzten Jahren fast jeden Saal in der Region.  
 
Kuno Bärenbold war ein nicht immer bequemer Zeitgenosse, der unverbindliche Austausch von Freundlichkeiten war seine Sache nicht. Er nahm an vielem Anstoß, seien es sprachliche Schnitzer, seien es knausrige Veranstalter, die nicht zu würdigen wussten, was seine Arbeit wert ist, und manchmal hat er auch selbst Anstoß erregt , u.a. durch die Offenheit, mit der er seine Liebesnot preis gab. Nein, seine Dichterstube in Durlach war kein Idyll. Zu schmal und gefährdet war die materielle Basis seiner Existenz, zu oft war er allein, verlassen vor allem von den Frauen, die er doch so sehr liebte und brauchte. Dass die Liebe zur Literatur dafür kein Ersatz sein konnte, wusste er selbst zu gut. Der markante Schnauzbart und die unvermeidliche Baskenmütze, die ihn zu einem wandelnden Wahrzeichen von Durlach machten, waren auch eine Art Schutzwall vor den Zumutungen einer Gesellschaft, in der er nie recht heimisch werden konnte. Seine sanfte, melodische Stimme ließ etwas ahnen von der verletztlichen Seele, die dahinter steckte und die er in einigen seiner Geschichten offenbarte.  
 
Wer wird in Zukunft den Bücherstand machen auf dem Durlacher Weihnachtsmarkt, auf dem er seit Jahren neben den Büchern, die ihm die Verlage zur Rezension zugeschickt hatten, auch ein paar seiner Bücher unter die Leute zu bringen versuchte´ Niemand! Der Kuno ist tot. Er kommt nicht wieder. 
-Peter Kohl 
 
 
 
Anmerkung: 
 
Er war - und das Wort "war" fällt nicht leicht zu schreiben - auch ein ständiger aber immer ein solidarischer Krititiker der „Klappe auf“. Er, der selbst kaum was hatte, schenkte meinen Kindern bei zufälligen Begegnungen in Durlach Bio-Gummibärchen, Bonbons und manchmal auch ein Buch. Kurz vor seinem Tod hatte ich eine Mail von ihm bekommen - ich hätte ihm gern geantwortet. -Alfred Godulla