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Kaiser und Sultan

Bild - Kaiser und Sultan
Schwarze Suppe als typisch europäisches Morgengetränk - später Mokka, dann Kaffee genannt - nahm ihren Weg von Ostafrika über Südarabien und die Türkei nach Venedig. Die Serenissima ist, wie auch Andalusien und Sizilien, als Ort der kulturellen Brücke zwischen Orient und Okzident im Bewusstsein. Dass auch Ostmittel- und Südost-Europa große kulturelle Bedeutung als Tor zum Orient zukommt, macht die Große Landesausstellung im Badischen Landesmuseum (BLM) anschaulich.

Die Region der Begegnung von Habsburgermonarchie und Osmanischem Reich wurde zumeist als Schauplatz von Kriegen und Religionskonflikten wahrgenommen. Die Schau richtet den Blick auf die „Nachbarn in Europas Mitte“ zwischen 1600 und 1700 und illustriert, welch enge Verbindungen durch wechselseitige kulturelle Einflüsse und Verflechtungen jenseits von Machtpolitik und Kriegen erwuchsen. Ziel der Ausstellung ist es, sich von einem eindimensionalen Gedanken einer ausschließlichen Konfrontation zwischen Kulturen zu verabschieden. Die moderne wissenschaftliche Forschung bemühe sich um eine differenzierte Sicht, so der Direktor des BLM Eckart Köhne: „Mit dem Ansatz einer transkulturellen Geschichte werden das bisher herrschende Konzept einer geteilten Betrachtung der Kulturen in Frage gestellt und stattdessen die Wechselbeziehungen zwischen den verschiedenen Weltregionen betont“.

Neue Techniken, Materialien, Waren und Ideen wurden transportiert, aufgenommen und weiterentwickelt. In Architektur, Kunst und Mode verschmolzen Eigenes und Fremdes. Die Feste und Paraden in osmanisch anmutenden Kostümen am kurfürstlichen Hof in Sachsen zeugen ebenso von einer Faszination des Fremden wie die orientalischen Einflüsse auf den Stil siebenbürgischer Goldschmiedekunst, der polnische Schuppenhelm im Stil eines osmanischen Turbans oder die orientalischen Blütenelemente in der Stickerei eines ungarischen Priestergewands. Osmanische Gebetsteppiche schmückten protestantische Kirchen in Siebenbürgen, und ein Gelehrter und Diplomat aus Siebenbürgen nahm in Istanbul die erste osmanische Druckerpresse mit arabischen Lettern in Betrieb.

„Kulturen können nicht nebeneinander zu existieren, ohne sich zu berühren“, sagt die Ideengeberin und Kuratorin der Ausstellung Schoole Mostafawy. Feinste Seidenstickereien, intarsienverzierte Schreibkästen, Prunkuhren und korallenbesetzte Waffen, smaragdgeschmückte Sattel und das eindrucksvolle „Blaue Zelt“ aus Krakau - die Schau bietet auf rund 1.600 Quadratmetern mehr als 320 Ausstellungstücke. Darunter eine Trinkschale aus „weißem Gold“: Die Osmanen beauftragten 1732 die Meißener Porzellanmanufaktur jährlich 43.000 solcher Kaffeeschälchen herzustellen, die sie zuvor aus China bezogen.


> Schloss Karlsruhe, bis So 19. April 2020, Di–So und Feiertage 10:00-18:00 Uhr.

Badisches Landesmuseum

Schloss Karlsruhe

76131 Karlsruhe

0721 / 9266514

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