Klappeauf - Karlsruhe
Archiv: 07.2012
Verschiedenes Lesungen / Vorträge

 

Bild -
Im Rahmen der Ausstellung „Literatur in Baden-Württemberg 1970-2010“ im Literaturmuseum im Prinz-Max-Palais gibt es eine kleine gesonderte Reihe namens Literaturtalk mit Jürgen Lodemann. Der Schriftsteller, der vor drei Jahrzehnten mehre-re Jahre in Karlsruhe lebte und sehr aktiv in der hiesigen Lite-raturszene mitmischte, war als Literatur-Redakteur des dama-ligen Südwestfunks (SWF) in Baden-Baden mit seinen TV-Reihen „Literaturmagazin“ und „Café Größenwahn“ so etwas wie der Chronist der deutschen Literatur. 1975 rief er die „Be-stenliste“ ins Leben, die als Alternative zu den gängigen Best-stellerlisten immer noch existent ist. Nach dem Auftakt am 26. Juni über die Anfänge der Literatur im Fernsehen, die er als Pionier mitgestaltet hat, steht am 26.Juli eine „Redeschlacht um Thomas Mann“ auf dem Programm, bei der unter anderem Martin Walser und sein Intimfeind Marcel Reich-Ranicki auf-einander treffen. Begleitend zur Ausstellung liest Manfred Zach am 17. aus seinem Roman „Monrepos oder Die Kälte der Macht“, mit dem der ehemalige Regierungssprecher von Lo-thar Späth vor 15 Jahren für einiges Aufsehen sorgte. Zach vermittelt darin einen Blick hinter die Kulissen der Ära Filbin-ger-Späth, der immer noch interessant und aufschlussreich ist. Das Buch wurde vor kurzem neu aufgelegt. Der Eintritt ist frei.

Eines der meistbeachtesten literarischen Debüts dieses Jahr ist der Roman „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ von Olga Grjasnowa. Die junge Dame (Jahrgang 1984) wurde in Baku geboren und hat bereits längere Aufenthalte in Polen, Russ-land und Israel hinter sich. Weltläufigkeit und Mehrsprachigkeit zeichnet auch ihre Heldin Mascha aus, die allerdings nicht mit der Autorin zu verwechseln ist. Die jüdische Aserbeidschanerin verlässt ihre von Repression geprägte Heimat, erlebt die Hei-mat- und Sprachlosigkeit in Deutschland sowie das langsame Sterben ihres Freundes Elias nach einem Sportunfall, verzwei-felt flieht sie nach Israel und gerät mitten hinein den israelisch-palästinensischen Konflikt. Am 2. liest die Absolventin im KO-HI-Kulturraum (Werderstr.47) in der Reihe Lesung Süd von Literarischer Gesellschaft und Stephanus-Buchhandlung mit ambitionierter junger Literatur in heimeliger oberirdischer Par-tykeller-Atmosphäre.
Auch „Der kleine Buch Verlag“ gibt mittlerweile regelmäßig seine Visitenkarte im KOHI ab. Am 9. liest Brigitte Jennerjahn Geschichten aus dem Krankenhaus. Da kennt sie sich aus, sie war Krankenschwester auf der Intensivstation und ist mit den Schattenseiten des Gesundheitswesen durchaus vertraut. Ihr Buch „Kranke Pflege ´n´leicht“ besteht aber nicht aus Reporta-gen, sondern Geschichten, in denen sie Erlebtes satirisch-ironisch aufarbeitet.

In der guten Stube der Literarischen Gesellschaft, im Literatur-haus im Prinz-Max-Palais, sind am 11. zwei Repräsentanten der modernen afrikanischen Literatur zu Gast. Die Nigeranerin Chika Unigwe, die in Belgien lebt, stellt ihren Roman vor, in dem sie die Geschichte von drei afrikanischen Frauen erzählt, die mit falschen Versprechen nach Antwerpen gelockt und dort zur Prostitution gezwungen werden. Die Gedichte von Chiriku-re Chirikure sind in einer dreisprachigen Ausgabe erschienen, in Shona, der Sprache seiner Heimat Simbabwe, Englisch und Deutsch. Richtig lebendig werden sie durch den mündlichen Vortrag. Ilja Trojanow („Der Weltensammler“), der sich wie kein anderer dafür engagiert, dass die vielen Stimmen der Weltlite-ratur im deutschen Sprachraum Gehör finden, moderiert den Abend. Die Bibel ist eine unerschöpfliche Inspirationsquelle für den Schriftsteller Patrick Roth, der in Karlsruhe aufgewachsen ist und hierhin auch immer wieder gern zurückkehrt. Wie in den früheren Arbeiten, mit denen er bekannt wurde, „Riversi-de“, „Johny Shines“ und „Corpus Christi“, verbindet er in dem Roman „Sunrise“, eine frei interpretierte biblische Geschichte, in diesem Fall die von Joseph, dem „Stiefvater“ von Jesus, mit einer Hollywood-Filmdramaturgie. Dass er nicht nur seine Leser, sondern auch seine Zuhörer in den Bann zu schlagen versteht, weiß jeder, der schon mal bei einer seiner Lesungen dabei war. Am 6. liest er im Literaturhaus. Drei Tage später (10.) stellen sich dort zwei Literaturstipendatinnen des Landes Baden-Württemberg vor: Die Literaturkritikerin und freie Jour-nalistin Bernadette Conrad erhielt das Stipendium für ihr Buch „Die vielen Leben der Paula Fox“, eine Collage von Reporta-gen, Zitaten und Interpretationen über Leben und Wirken der lange vergessenen amerikanischen Schriftstellerin. Die in Freiburg lebende gebürtige (Ost)Berlinerin Manuela Fülle konnte dank des Stipendiums ihren ersten Roman „Fenster auf, Fenster zu“ vollenden.
In der HfG Karlsruhe geht es weiter und für dieses Semester zu Ende mit der bemerkenswerte Reihe „Literatur im Blauen Salon“, bei der Stephan Krass und das Adam Seide Archiv neue literarischen Stimmen abseits des Mainstreams präsen-tieren. Am 9. (19 Uhr) liest Sebastian Polmans aus seinem Romandebüt „Junge“, darin schildert er das Leben in einem Nest an der deutsch-niederländischen Grenze aus der Per-spektive eines Jungen, der begreift, dass diese kleine Welt nicht seine Welt sein kann. Der Eintritt zu dieser Veranstal-tung, die ursprünglich für Mai geplant war, ist wie immer frei.

Aus Anlass der Jubiläumswoche der Pädagogischen Hoch-schule Karlsruhe (Bismarckstr.10) kommt der international bekannte Dichter, Kritiker und Übersetzer Michael Hulse am 5. (12.30 Uhr) in die Bibliothek der PH und liest aus seinen eng-lischsprachigen Werken. Der gebürtige Engländer hat lange in Deutschland gelebt und gearbeitet und unter anderem deut-sche Literatur von Goethe bis Herta Müller ins Englische über-setzt. Mit seinen Büchern hat er schon mehrere Preise ge-wonnen. Auch bei dieser Veranstaltung, zu der auch Besu-cher, die nichts mit der PH zu tun haben, willkommen sind, ist der Eintritt frei.

Sebastian Schwab, Mitglied des Ensembles des Stuttgarter Schauspielhauses, kommt mit einem Soloprogramm am 7. ins Kammertheater Karlsruhe. Er liest aus Sybille Bergs zu einem Theaterstück umgemodelten Erstling „Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot“ mit wechselnden Rollen und Stimmlagen.

Wenn nicht anders angegeben, ist Veranstaltungsbeginn 20 Uhr.