Klappeauf - Karlsruhe
Archiv: 06.2012
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Ingo Wellenreuther

OB Kandidat

Bild - Ingo Wellenreuther
Seit über 40 Jahren ist der Stuhl des Oberbürgermeisters in Karlsruhe fest in der Hand der CDU. Und das soll nach Möglichkeit auch so bleiben, hofft zumindest Ingo Wellenreuther. Der erfahrene Parteipolitiker setzt bei seinem Wahlkampf auf Bürgernähe und die tiefe Verwurzlung mit seiner Heimatstadt. Wellenreuther erblickte 1959 in Karlsruhe das Licht der Welt. Bis zu seiner Wahl zum Bundestagsabgeordneten war Wellenreuther als Jurist im Staatsdienst tätig, zuletzt als Vorsitzender Richter des Landgerichts Karlsruhe. Ende 2010 wurde Wellenreuther zum Präsidenten der Karlsruher SC gewählt.

Herr Wellenreuther, der KSC ist in die dritte Liga abgestiegen. Wird das für sie als amtierender Clubpräsident Auswirkungen auf den OB-Wahlkampf haben´

Wellenreuther: In diesen Kategorien denke ich nicht. Ich habe das Amt übernommen, als der KSC in einer schwierigen Situation war und die Nachlizensierung hochgradig gefährdet war. Ich habe nie überlegt, ob es mir nützt oder schadet. Sonst hätte ich die Finger davon lassen müssen. Ich habe mich aber entschieden, dem Verein zu helfen, weil ich seit 30 Jahren Mitglied bin und früher bei den Amateuren gespielt habe. Jetzt sind wir gemeinsam abgestiegen und es wurden sicherlich auch Fehler gemacht. Aber jetzt wollen wir gemeinsam wieder hoch.

Im Gemeinderat und als Bundestagsabgeordneter sind sie immer wieder als Befürworter eines Stadionneubaus, der Nordtangente und der zweiten Rheinbrücke in Erscheinung getreten. Wo besteht ihrer Meinung nach in Karlsruhe sonst noch dringender Handlungsbedarf´

Wellenreuther: Ich sage nicht, ich bin in dem Sinne für die zweite Rheinbrücke und eine Nordtangente. Ich bin dafür, dass wir in Karlsruhe unsere Verkehrsprobleme gelöst bekommen. Wir brauchen eine Rheinquerung und eine Nordumfahrung und beide müssen menschen- und umweltgerecht umgesetzt werden. Wie es letztlich verläuft, dafür müssen intelligente Planungen gemacht werden.
Und es gibt noch viele weitere Themen. Wir müssen Karlsruhe gezielt so fördern, dass Menschen und Unternehmen hierher kommen wollen. Das mag zwar banal klingen, ist aber ein wichtiger Gesichtspunkt für viele Entscheidungen. Unternehmen müssen sich für Karlsruhe entscheiden, weil es hier positive wirtschaftliche Rahmenbedingungen gibt und sie Mitarbeiter finden, die gerne hier leben wollen. Dazu braucht es die so genannten weichen Standortfaktoren. Also: Wie sind meine Kinder untergebracht, gibt es gute Schulen und ausreichend Betreuungsmöglichkeiten´ Wie ist das kulturelle Angebot der Stadt und können die Kinder hier Sport treiben´
Bei der Stadtentwicklung selber gibt es vor allem entlang der Durlacher Allee sehr viel Potential. Eine Weiterentwicklung des Badischen Staatstheaters und des ZKM ist auch dringend notwendig, aber das kostet natürlich sehr viel Geld...

...wie erklärt man als Oberbürgermeister dann dem Bürger, dass dafür die Mittel vorhanden sind, für einen Stadionneubau jedoch bisher nicht....

Wellenreuther: Das kann man eigentlich nicht erklären. Beides muss gefördert werden, sowohl Kultur als auch Sport. Als Oberzentrum müssen wir in allen Bereichen attraktiv bleiben. Wer Qualität haben will, muss Rahmenbedingungen schaffen. Wenn ich im Staatstheater nur Holzbänke hinstelle, dann kommt niemand. Beim Fußball ist es das gleiche. Der Fußball boomt und die Leute gehen in Scharen ins Stadion. Wenn Karlsruhe an solchen Dingen teilhaben möchte, muss die Stadt die entsprechenden Spielstätten mit Strahlkraft anbieten




Wie stellen sie sich eine Kulturstadt Karlsruhe in Zukunft vor´

Wellenreuther: Karlsruhe muss als kreative Stadt wahrgenommen werden, in der es gerade für junge Menschen viele Entfaltungsmöglichkeiten gibt. Ich darf aber nicht vorschreiben, dass sie diese Art der künstlerischen Entfaltung machen müssen, die gerade im Rathaus vorgeschrieben wird. Es muss viele Freiräume geben. Deswegen gab es vielleicht auch die kleineren Probleme bei der Entwicklung des Kreativparks im Schlachthofgelände. Da wurde einfach ein zu enges Raster angelegt. Karlsruhe muss mit einer künstlerischen Freiheit der Kreativszene eine Signalwirkung auf die ganze Region ausüben, das kommt dann auch den etablierten Einrichtungen zu gute und sie können besser in Konkurrenz zu Städten wie Basel, Freiburg oder sogar Berlin treten. Es braucht mit Sicherheit die großen Leuchttürme, aber auch eine kreative Basis.

Werfen wir einen Blick in eine mögliche Zukunft. Woran werden sich die Menschen in neun Jahren nach der ersten Amtszeit eines Oberbürgermeisters Ingo Wellenreuther erinnern´

Wellenreuther: Es darf nie der Anspruch eines Oberbürgermeisters sein, sich selbst verwirklichen zu wollen. Mein Anspruch wäre vielmehr, dass die Menschen sich hier wohl fühlen. Gesundheit im Alter ist ein Thema was dabei eine wichtige Rolle spielt. Die Jungen brauchen gute Schulen und die ältere Generation muss aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Hier soll eine gute und spannende Stimmung herrschen, die Leute sollen sagen: In Karlsruhe, da geht was.


Ihr aussichtsreichster Konkurrent beim Kampf um den Chefsessel im Rathaus ist derzeit sicherlich der von SPD und Grünen nominierte Staatssekretär Frank Mentrup. Wo liegen die Unterschiede zwischen seinem und ihrem Wahlprogramm´

Wellenreuther: Ich beschäftigte mich nicht damit, welche Themen die Mitbewerber vertreten. Ich mache mir Gedanken, wie ich die Stadt gemeinsam mit den Bürgern voranbringen werde. Teamarbeit ist dabei wichtiger als eigene Entscheidungen durchzudrücken. Ich bin Karlsruher und kenne die Mentalität der Leute. Am Ende entscheiden es die Wähler.