Klappeauf - Karlsruhe
Archiv: 12.2011
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Faszinierende Tierfotos

Hufler +Daubner

Bild - Faszinierende Tierfotos
Naturfotografen Gaby Hufler und Norbert Daubner
Faszinierende Tierbilder aus der Region und Europa

Gleich mit zwei Bildbänden haben die beiden Karlsruher in diesem Jahr gezeigt, dass ihre großartigen Aufnahmen den Vergleich mit bekannten, international erfolgreichen Tierfotografen nicht zu scheuen brauchen. Zuerst erschien im Oktober "Naturerlebnis Karlsruhe - Unsere wilde Region", das nicht nur Naturfreunde begeistert und als Weihnachtsgeschenk wohl dieses Mal der Renner wird. Nun kommt ganz neu noch "Naturerlebnis Kranichzug - Die Reise der Kraniche" hinzu, das ebenso sehr fasziniert. Während sie für ihr regionales Buch viele Tiere im Umkreis von 30 km um Karlsruhe aufspürten, fuhren sie für das Kranich-Buch zu unterschiedlichen Jahreszeiten kreuz und quer durch Europa, um so die komplette Reise der Kraniche von ihrem Brutgebiet in Schweden bis zur Überwinterung in der spanischen Extremadura zu zeigen. Klappe auf Mitarbeiter Günter Kromer sprach mit den beiden. Klappe: Drei Jahre lang habt ihr an beiden Bücher gleichzeitig gearbeitet. Wie funktionierte das´ Habt ihr die Themen aufgeteilt´ Daubner: Die Kraniche sind dann unterwegs, wenn die regionale Tierwelt pausiert, also Oktober bis Februar, dann wieder Anfang April. In Karlsruhe fotografierten wir zwischendurch im Februar viele Amphibien. Wenn die Kraniche in ihrem Zielgebiet bei der Brut sind kommen dann zuhause bei uns gerade die meisten Zugvögel an. Hufler: Manchmal fuhr jeder von uns in eine andere Region, an anderen Tagen dagegen fotografierten wir dieselbe Beobachtungsstelle, z.B. einen Wildwechsel, aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. Abgesehen von viel fotografischem Können und sehr viel Zeit und Geduld ist das sicher auch harte Arbeit. Daubner: Oft schleppten wir 15 Kilo Ausrüstung weite Strecken auf dem Rücken. Stundenlang warteten wir dann in Kälte oder Hitze, aber es lohnt sich. In einem Naturschutzgebiet, wo man sehr gut Kraniche beobachten kann, gibt es winzige, schreibtischgroße Hütten. In diese muss man vor Sonnenaufgang hinein kriechen und darf erst nach Sonnenuntergang wieder hinaus. Was war euer schönstes Erlebnis´ Daubner: Als wir die jungen Füchse beobachteten, die zum allerersten Mal Sonnenlicht gesehen haben. Sie konnten noch nicht richtig laufen, kamen aber neugierig auf uns zu. Ich warnte sie, damit sie nicht später einmal unvorsichtig auf andere Menschen zu laufen. Hufler: Ich wusste, wo ich vermutlich einen Siebenschläfer fotografieren kann. Ich wartete bis 23 Uhr, hörte ihn auch ab und zu, doch nie sah ich ihn. Erst als ich dann meine Ausrüstung eingepackt hatte war er plötzlich ganz nah bei mir und sprang über mich. Das ist mir danach noch mehrere Tage lang genau so passiert. Erst vier Tage vor Drucktermin klappte es dann doch noch mit dem Foto. Und was war euer spannendstes Erlebnis´ Daubner: Ich sah wie eine Ente einen Reiher angriff, der ihre Küken schnappen wollte. Natürlich hatte sie Chance, und ich fotografierte, wie der Reiher das Küken schnappte. Auf den ersten Blick wirkt das auf uns grausam, aber auch der Reiher hat Nachwuchs, der etwas zu fressen braucht. So ist nun mal die harte, aber wahre Natur Hufler: Ich sah zum ersten Mal Dachse so nahe, beobachtete sie beim Spielen und hörte auch erstmals ihre Geräusche, wie sie mit einander Kommunzierten. Für den Laien ist es schier unfassbar, wie ihr es geschafft habt, rund um Karlsruhe so viele seltene oder scheue Tiere zu finden. Gab es dabei auch Tricks´ Daubner: Alle Bilder sind echt. Die Tiere wurden in Freiheit aufgenommen, und es gab auch keine Bildmanipulationen. Zur Vorbereitung recherchierten wir sehr viel über die Lebensräume und Verhaltensweisen der Tiere, wo man sie am besten sehen kann. Es gibt auch Tierbeobachtungsseiten im Internet, und ab und zu fragten wir auch Jäger und Förster. Doch vieles ist völlig unvorhersehbar. Daher stehen im Buch auch keine genauen Ortsangaben zu den Fotos. Hufler: Außerdem muss man wissen, welche Tiere zu welcher Tageszeit aktiv sind. Am besten kann man früh morgens und am späten Abend fotografieren. Im Sommer waren wir oft von 3.30 Uhr morgens bis zur Dämmerung unterwegs, dann wieder ab Sonnenuntergang. Wir verbrachten viele Nächte vor Dachsbauten, ruhig und gut getarnt, damit wir die Tiere nicht störten. Manchmal waren wir auch die ganze Nacht im Einsatz und teilten uns die Schlafpausen auf. Daubner: Über den Zug der Kraniche gibt es im Internet eine Beobachtungsseite. Als ich dort sah, dass in Frankreich an einer Stelle gerade 70.000 Kraniche sind packte ich sofort meine Ausrüstung und fuhr los. Manchmal muss man für ganz besondere Fotos aber auch Glück haben. Einmal warteten wir drei Tage lang, um den Flug der Kraniche über die schneebedeckten Pyrenäen zu fotografieren. Dann kamen sie endlich, schafften es im Sturm aber nicht, die Berge zu überqueren und mussten umkehren. Dann kamen sie wieder und versuchten es erneut. Für andere Aufnahmen saßen wir bei minus 18 Grad in einer Kiste und konnten so eisbedeckte Kraniche fliegen sehen. Warum habt ihr beide Bücher im eigenen Verlag veröffentlicht statt das bundesweite Vertriebssystem eines großen Verlages zu nutzen´ Daubner: Als gelernter Mediengestalter konnte ich die Bücher komplett selbst genau so gestalten wie ich sie am schönsten finde. Auf diese Weise habe ich die volle Kontrolle über das Endergebnis, ohne dass jemand hinein redet, um sie zum Beispiel einem bestimmten Verlagsprogramm anzugleichen. Naturerlebnis Karlsruhe, 160 Seiten, dah(u)u Verlag, 29,80 Euro Naturerlebnis Kranichzug, 144 Seiten, dah(u)u Verlag, 29,80 Euro