Klappeauf - Karlsruhe
Archiv: 02.2011
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Bernhard Mühr

Das Klima und das Wetter

Bild - Bernhard Mühr
Bierbank oder Sonnenbank´

Alle reden von der Bahn, wir reden vom Wetter. Angesichts des bescheidenen Jahres 2010 unterhielt sich Klappe-Auf-Mitarbeiter Matthias Kehle mit dem Diplom-Meteorologen Bernhard Mühr. Er arbeitet am Institut für Meteorologie und Klimaforschung des KIT, ist Autor des Buches „Der Wolkenatlas“ und betreibt zusammen mit einem Kollegen eine Wetterberatungs-Firma.


- In den BNN waren in der letzten Zeit mäßig intelligente Leserbriefe, dass angesichts der kalten Winter und nassen Sommer die Klimaerwärmung wohl ausfällt. Was ist davon zu halten´
Mühr:In der Tat fiel 2010 die Temperaturgesamtbilanz des Jahres in Karlsruhe und Mitteleuropa leicht negativ aus, zum ersten Mal seit 1996 erlebten wir mal wieder einmal ein zu kaltes Jahr. Allerdings dürfen die negativen Temperaturabweichungen in Teilen Europas nicht darüber hinwegtäuschen, dass global gesehen auch das Jahr 2010 wieder zu den wärmsten der letzten 150 Jahre zählt. Auch in Zeiten der Klimaerwärmung gibt es immer mal Gebiete, in denen die Erwärmung schwächer ausfällt oder sogar eine vorübergehende Abkühlung auftritt. Es wird nie überall und gleichzeitig wärmer.

- Müssen wir, damit es wieder wärmer wird, noch öfter mit dem Auto zum Bäcker fahren oder gibt es andere Faktoren als das CO2, die uns die häufige Kälte in Deutschland bescheren´
Mühr:Eine Vielzahl von Faktoren bestimmt unser Klima, auf manche haben wir keinen Einfluss, z.B. die Schwankungen der Sonnenaktivität, gewaltige Vulkanausbrüche oder noch extremere Szenarien wie ein Meteoriteneinschlag. Das Klimasystem zeichnet sich durch ein komplexes und noch lange nicht vollständig verstandenes Zusammenspiel vieler Faktoren aus, von denen die Meeresströmungen wie der Golfstrom oder das Treibhausgas CO2 nur zwei sind. Kaum ein seriöser Wissenschaftler bezweifelt noch den direkten Zusammenhang zwischen dem globalen Temperaturanstieg und der immer größer werdenden Emission von Treibhausgasen wie z.B. dem CO2 . Häufigere Autofahrten zum Bäcker hätten den sehr kalten Dezember bei uns jedenfalls nicht verhindert.

- Können Biergartenbesitzer irgendwann damit rechnen, mittels Langfristvorhersagen im Februar schon zu wissen, dass es eine geniale Saison geben wird´
Mühr:Jahreszeitenprognosen sind Gegenstand intensiver Forschung, die Ergebnisse allerdings noch unbefriedigend. Zu komplex sind die Zusammenhänge, die Wechselwirkungen zwischen Ozean, Land und Atmosphäre, als dass sie schon gut mit physikalisch-mathematischen Modellen erfasst werden könnten. Immerhin lassen sich - allerdings auch nicht immer - für ein paar Monate im Voraus Trends ableiten, die zumindest grobe Aussagen über einen zu warmen oder zu kalten, zu feuchten oder zu trockenen Witterungscharakter erlauben. Den Sommer tageweise oder für einzelne Orte oder Regionen wie den Oberrhein vorhersagen zu wollen, wird aber noch lange nicht möglich sein; solchen gelegentlich in manchen Medien auftauchenden Prognosen sollte keine zu große Bedeutung beigemessen werden.

www.wettergefahren-fruehwarnung.de
www.wolkenatlas.de
www.klimadiagramme.de