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Archiv: 01.2010
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Helmut Wetter

Maler und Musiker

Bild - Helmut Wetter
Dass Helmut Wetter Maler werden würde, war keine ausgemachte Sache. „Ich war ein guter Schüler“, sagt der heute 60jährige. Ja, Zeichnen und Malen faszinierte ihn auch damals, aber als es um die Wahl des Studiums ging, entschied er sich für Mathematik und Physik. Nicht die richtige Wahl, wie sich bald herausstellte und er änderte die Richtung. Mit dem Wechsel an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste in Freiburg und Karlsruhe formte sich mit der Zeit der Künstler Helmut Wetter.
Ein Referendariat für den Schuldienst warf er nach kurzer Zeit hin, hatte aber anschließend über mehrere Jahre Lehraufträge an der PH Karlsruhe und der FH Pforzheim.


Von Oktober bis Dezember 2009 hatte Wetter eine große Ausstellung mit Werken aus den Jahren 1973 bis 2006 in seiner Heimatstadt Meßkirch, eine Werkschau, die die Bewegung in seinem Schaffen zeigt. Von einer Entwicklung, „die von gegenständlich-figürlichen Anfängen zu vollständiger Abstraktion übergeht“, schreibt Michael Hübl im repräsentativen Ausstellungskatalog, um gleich einzuräumen, diese Beschreibung sei „grob und unzulänglich“.
Zunächst malte und zeichnete Wetter vorrangig Köpfe, Porträts und Akte. Aber Wetters Schwimmerbilder, Ende der 80er Jahre („Mit denen werde ich oft identifiziert“) stellen die Begriffe gegenständlich und abstrakt auf die Probe. Sie können in unterschiedlichen Graden der Abstraktion als tatsächliche Sportlerporträts gelesen werden, machen aber auch die Dynamik der Bewegung und damit die Dynamik der Malerei selbst zum Thema. „Die Körper, die Figuren lösen sich auf, und das geht einher mit einer größeren Dynamisierung der Malerei“ sagt Wetter selbst. Danach sahen auch seine Frauenporträts, auf die er immer wieder zurückkam, anders aus. Weniger streng. Von den Schwimmern („die liefen sehr gut, ich hätte in alle Ewigkeit Schwimmer malen können“) hat er sich bewusst gelöst, um nicht in Routine zu verfallen.

Ein großer Teil seiner gegenwärtigen Schaffensphase sind Farbflächenkompositionen auf Papier. Papier werde nachgesagt, das Spontane und Ungezwungene zu befördern, vor der Leinwand habe man eher Respekt. „Ich betone auch den Charakter des Papiers, es soll nicht auf einem festen Untergrund angebracht werden, der transparente Charakter soll erhalten bleiben“.


„Wirf dich mutig und entschlossen in den Abgrund“. Diese Weisheit habe er sich mal notiert – und so versuche er auch an die Arbeit zu gehen, aber: „ich halte mich nicht immer ganz dran“. Und es gebe durchaus einige wenige Werke, die mit einem Vermerk: „unfertig“ im Atelier stehen blieben. Vielleicht ist die improvisierte Musik, bei der nichts „fertig werden“ muss, ein Ausgleich. „Für mich ist es ein Bereicherung, mich auch über Klänge und Töne ausdrücken zu können“ und durchaus mehr als ein Hobby, sagt Helmut Wetter, der Saxophonist. Er war vor fast 25 Jahren einer der Gründerväter der „Raummusik für Saxophone“, dieses in Deutschland wohl einzigartigen Ensembles, dessen Name Programm ist: Saxophonisten, die in den unterschiedlichsten Räumen improvisieren. Deren musikalische Anmutung auch vom Raum mitbestimmt wird. „In der freien Malerei gibt es vielleicht Berührungspunkte zur Improvisation“ sagt Wetter nach längerem Nachdenken, und schließlich spielt er bei seinen Vernissagen auch mal Saxophon - aber dennoch: er will Musik und Bildende Kunst strikt getrennt haben. Zwar ist er von seiner früheren puristischen Arbeitseinstellung abgekommen, die Stille im Atelier vorschrieb, heute kann er dabei Jazz hören. Aber die Vermischung der Medien als Event ist ihm zutiefst suspekt: „Wenn ich ein Bild anschaue, schaue ich ein Bild an, da brauche ich keine Musik – und für Musik brauche ich keine Videoprojektion.“

> Ausstellung Galerie Schrade Zirkel 34-38 -Di - Fr 11.00 bis 19.00 Uhr, Sa 11.00 bis 16.00 Uhr - ab 10 Jan Helmut Wetter - Neue Arbeiten zum 60sten

>Vernissage: So 10. Jan um 11 Uhr, Vortrag Dr. Kirsten Voigt (Staatliche Kunsthalle) und Musik mit Wetter am Saxophon