Klappeauf - Karlsruhe
Archiv: 08.2009
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Stummfilme mit Live-Musik

Raritäten und aktuelle Töne

Bild - Stummfilme mit Live-Musik
Der Innenhof des Prinz-Max-Palais war lange Zeit so etwas wie eine Sperrzone, für Unbefugte war der Zutritt verboten. Das ist glücklicherweise vorbei. In diesem Sommer verwandelt die Kinemathek Karlsruhe das mediterran anmutende Ambiente wieder in ein kleines, aber feines Freilichtkino mit ausgesuchten Stummfilmkostbarkeiten, die live musikalisch untermalt werden.

Am 5. (21.30 Uhr) geht es los mit dem schwedischen Spielfilm „Weibliche Junggesellen“ aus dem Jahr 1923. Es geht um Frauen, die ihren eigenen Weg gehen wollen, die sachlich ihre Lage analysieren und die Konsequenzen daraus ziehen, im Mittelpunkt als „Erzählerin“ und Mitglied einer Frauen-WG steht eine Sekretärin, die sich der Zudringlichkeiten ihres Chefs erwehren muss. Das frühe Beispiel eines feministischen Films wurde übrigens von einem Mann, Per Lindberg, gedreht. Uwe Oberg, der seine Inspiration aus der Beschäftigung mit Free Jazz und Neue Musik schöpft, macht dazu auf dem Klavier eine Musik abseits der Konventionen, so eigenwillig wie die Damen, die im Film den Ton angeben. Am Abend darauf gibt es eine Auswahl klassischer Avantgardefilme mit der Musik von Eiko Yamada (Mehr dazu im Tagestipp vom 6.8.). Max Davidson, ein jüdischer Komiker aus Berlin, hat im Hollywood der 20er Jahre Karriere gemacht, er bekam sogar eine eigene Serie, in der er den jüdischen Patriarchen verkörperte, der mühsam versucht die Tradition und die Regeln hochzuhalten. Mit dem Tonfilm versank Davidson, der mit Stan Laurel, Oliver Hardy und James Finlayson zusammengearbeitet, in der Versenkung. Die Kinemathek zeigt am 7. (21.30 Uhr) vier seiner bei jüdischen Emigranten sehr beliebten Comedies. Das Duo Silentones, bestehend aus Susanne Peusquens und Matthias Jahner, macht dazu mit vielfältigen Schlag-, Zupf- und Blasinstrumentarium eine sprechende Musik. Keine Empfehlung mehr braucht „Steamboat Bill Jr.“ (8., 21.30 Uhr) von Buster Keaton. 1928 befand sich Keaton, der wohl erfindungsreichste Stummfilmkomiker auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Er selbst spielt die Rolle des aus der Art geschlagenen Sohns eines Raddampfer-Kapitäns, der sich ausgerechnet in die Tochter eines Rivalen seines Vaters verliebt. In einem gewaltigen Sturm, einem Höhepunkt der Stummfilm-Komik, lösen sich alle Probleme in Wohlgefallen auf. Marie-Luise Bolte steuert am Klavier die passenden Töne dazu bei. Das Filmemacher-Duo Merian C.Cooper und Ernest B.Schoedsack ist mit „King Kong“ in die Filmgeschichte eingegangen. Jahre zuvor drehten sie das stumme Dschungel-Abenteuer „Chang“ (9., 21.30 Uhr), das fast ausschließlich aus dokumentarischen Material montiert wurde, auch heute noch sind die Aufnahmen von Tigern, Schlange, Gibbons, Bären und Elefanten in ihrem Lebensraum beeindruckend. Musikalisch ist das ein Fall für die Lokalmatadoren und Improvisationskünstler Helmut Bieler-Wendt (Piano, Geige) und Johannes Frisch (Kontrabass). -ko

>Prinz-Max- Palais, Karlstr. 10, KA



Im Festsaal

In die Frühzeit des Kinos, als die Bilder laufen lernten, entführt das Filmprogramm, das der Verein Deja Vu im Festsaal im Studentenhaus zur Kamuna beisteuert. Um 18.Uhr (für Kinder ab 6 geeignet), um 20 Uhr und um 22 Uhr ist eine 90minütige Auswahl von Stummfilm-Kostenbarkeiten aus ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu sehen. Dabei sind z.B. die ersten Komödien von Louis Feuillade aus den Jahren 1907/08 und der erste Western von John Ford aus dem Jahr 1919, ein zehnminütiger „Titanic“-Film, der unmittelbar nach dem Schiffsuntergang das Geschehen zu rekonstruieren versuchte, und nicht zuletzt die ersten kinematographischen Ausflüge in das Reiche der Fantasie u.a. mit der berühmten Mondreise des Filmmagiers George Melies. Das Duo KrausFrink steuert perkussive Klänge dazu bei, der bewährte Stummfilm-Begleiter Holger Ebeling spielt wie immer Klavier. Josef K.Jünger, der das Programm zusammengestellt hat, und Gabriela Lang fungieren als Filmerzähler.
Die kinderfreundliche Vorstellung ab 18 Uhr ist um ein paar Beiträge entschlackt, dafür gibt es aber Melies´ handcolorierten „Aschenputtel“-Film als kleines Extra. -ko

>Studentenhaus, Adenauerring 7, KA

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