Klappeauf - Karlsruhe
Archiv: 06.2006
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Freiluftspiele ohne Ball

Sommertheater

Bild - Freiluftspiele ohne Ball
“Sommernachtstraum” im Zelt > Heiter-abgründig beendet das Schauspiel am Badischen Staatstheater den Shakespeare-Schwerpunkt der ablaufenden Saison mit der klassischen Sommertheaterkomödie über Liebe, Lust und Leidenschaft, fehlgeleitete Gefühle und erotische Verwirrungen. Im Theaterzelt, das in diesem Jahr vor König Fußball in die lauschigere Atmosphäre des Geländes der Karlsruher Schlossgärtnerei an der Fasanengartenmauer fliehen musste, streiten Götterpaare und bringen mit Hilfe des Zauberkobold Puck die Menschen im sommernächtlichen Wald ganz durcheinander. Zeit und Raum, Sinnliches und Übersinnliches durchdringen sich, die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen. Im Reich der Geister herrscht eine amoralische Willkür, der die Menschen wehrlos ausgeliefert sind. Vier Termine stehen noch im Juni (22., 24., 25. und 29.) von Donald Berkenhoffs Inszenierung auf dem Programm, zu der der jüngst verstorbene Peter Kettner sein letztes Bühnenbild skizzierte. Im Juli bevölkern dann außer der Menagerie des “Sommernachtstraums” noch weitere kleinere Produktionen und Lesungen das Theaterzelt. > www.staatstheater.karlsruhe.de

Ettlingen vor dem Intendantenwechsel > Seit sie durch die Flowtex-Pleite nicht mehr aus den Vollen schöpfen kann, tut sich die Barockstadt vor den südlichen Toren Karlsruhe schwer mit ihren Schlossfestspielen, dem einst schier alleinigen kulturellen Aushängeschild im Veranstaltungskalender. Besonders die Intendanz von Jürgen Flügge stand ständig auf dem wirtschaftlichen Prüfstand. Aus wenigem viel zu zaubern ist ab der kommenden Saison Aufgabe des designierten neuen Intendanten Matthias Rehrl, der seit 2002 als Schauspieler in Diensten des Badischen Staatstheaters steht. Indes kann Flügge eigentlich befreit zu seiner letzten Spielzeit ansetzen und beweisen, dass seine Vorstellung von Theater durchaus attraktiv sein kann und sein Weggang als Verlust angesehen werden muss. Trotzig steht daher mit dem Musical „Anything Goes“ ab dem 22. eine wahnwitzige Verwechslungskomödie mit der unvergesslichen Musik von Cole Porter programmatisch am Anfang der neuen Saison. Bereits im Juni kommt auch das Rahmenprogramm mit zwei Gastspielen von Dieter Hildenbrandt in Gang (siehe Tagestipp). Außerdem trifft am 29. Juni der Jazzsaxophonist Peter Lehel auf die brasilianische Sängerin Viviane de Farias, und am 30. hat sich im schönen Asamsaal bei einem kulinarischen Opernabend eine Magd vorgenommen, Herrin zu werden: „La serva padrona“. Nie von mangelndem Besucherinteresse geplagt waren indessen die FestspieleMINI für die Kurzen, die am 15. mit der Wiederaufnahme der Erfolgsproduktion „Pettersson und Findus“ im Watthaldenpark starten. > www.ettlingen.de

Legendäre Streithammel unter freiem Himmel > Turbulent, burlesk und volksnah gibt sich das Sandkorn-Theater in diesem Jahr mit seinem Sommerstück, einer Bühnenversion von Giovannino Guareschis populärem Klassiker “Don Camillo und Peppone”. Während man ab dem 29. Juni die unverbesserlichen aber herzlichen Streithammel erst einmal im Innenhof der IHK gegeneinander antreten lässt, folgen ab dem 30. Juli noch drei weitere Auführungen in der hübschen Kulisse des Durlacher Saumarkts. Fritzdieter Gerhards, vormals für die Sommertheater-Vergnügen in Ettlingen zuständig, inszeniert die Geschichte vom kommunistischen Bürgermeister Peppone, der seinen Sohn auf den Namen Lenin taufen lassen will, und seinem Widersacher, dem streitbaren Priester Don Camillo. Das ganze Dorf ist gespalten in Kommunisten und Konservative, da gibt es Fahrradrennen, da wird gegeneinander Fußball gespielt, da gerät eine antikapitalistische Demonstration zur Prozession. Streiks, Streiche und Prügeleien werden mit italienischem Temperament und provinzieller Starrköpfigkeit ausgetragen und ein Liebespaar steht zwischen allen Fronten. Doch trotz aller Tumulte wird man sich immer wieder einig. Auch Dank Jesus umsichtiger Diplomatie, dessen Zwiegespräche mit Don Camillo so verblüffend geistreich wie legendär sind. > www.sandkorn-theater.de

Inquisitor, Abt und Mönche > Kloster- und Dorfleben sowie historische Probleme am Vorabend der Reformation - zur Blütezeit der Herrenalber Zisterzienser-Abtei - verbunden mit einer Liebes- und Kriminalstory verspricht das Sommernachtstheater Bad Herrenalb mit seinem Stück "Der Teufel von Herrenalb". Rund 500 Jahre vor der Aufführung 2006 rüsten sich Kloster und Dorf zum Klosterjubiläum: ein Weltgerichtsspiel soll aufgeführt werden. Doch die Inquisition kommt dazwischen und verurteilt den zisterziensischen Schreiber des Stückes sowie den die Hauptrolle des Teufels verkörpernden Studenten zum Tod durch Verbrennen. Durch Feuer im Kloster werden die beiden mit Hilfe zweier sie liebender Bauernmädchen gerettet und können fliehen. Eva Martin-Schneider inszeniert mit einer Schar ambitionierten Laienschauspieler in einer neuen Fassung das Stück von Siegfried Carl, das bereits 1999 zum 850-Jahres-Jubiläum im historischen Klosterbezirk Herrenalbs zu sehen war. Vorstellungen sind am 21., 23., 24., 29. und 30. > www.badherrenalb.de

Ötigheim feiert > Stolz verkündet schon die Ansage des Anrufbeantworters, dass man Deutschlands größte Freilichtbühne an der Strippe habe. Doppelter Grund zum Stolz herrscht in diesem Jahr, da die Volksschauspiele Ötigheim 100 Jahre alt werden. Mit großem Aufwand hat man gerade die Naturbühne von einer englischen Grafschaft, die in den vorangegangenen Jahren die Kulisse für das Erfolgsmusical “My Fair Lady” abgab, in eine Alpenlandschaft mit Vierwaldstätter See umgebaut, denn zum 100-Jährigen kommt Friedrich Schillers Meisterwerk „Wilhelm Tell”, der schon 1910 hunderttausend Besucher auf die Freilichtbühne lockte. Mit Schauspiel, Massenszenen, Reiterei und Tanz werden die Ötigheimer beim Freiheitsdrama alle Register ziehen, so dass es nicht wundert, dass der Tell auch 2006 der Renner ist. Die beiden Junivorstellungen waren bei Redaktionsschluss bereits ausverkauft, so dass man sich schnell um Karten für Juli oder August bemühen sollte. Karten gibt es indes auch noch für die beiden Aufführungen von Carl Orffs “Carmina Burana” am 23. und 24., denen Gustav Holsts Orchester-Suite „Die Planeten“ vorangestellt wird. > www.volksschauspiele.de