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Archiv: 06.2011
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Fabrik Bruchsal

Rock als Grundnahrungsmittel

Bild - Fabrik Bruchsal
1980 ging alles los, als Jürgen Debatins Vater
die Weberei in der Bruchsaler Schnabel Henningstraße stilllegte. Der Sohn machte seinen Traum wahr, den er schon als 16jähriger nach einem Besuch des Walldorfer „Seestudios“ geträumt hatte: Eine Diskothek, in der zunächst einmal die damals angesagte Rockmusik den Ton angab - Uriah Heep, Golden Earring, Black Sabbath. In den frühen achtziger Jahren begannen sich die Szenen mehr voneinander abzugrenzen, so wurden etwa montags die Heavy Metal Fans und dienstags die New-Wave Jünger bedient. Aber es gab von Anfang an nicht nur Musik aus der Dose: Bekannte Livebands standen hier auf der Bühne: Von Schwoißfuass über klassische Rockbands wie Wishbone Ash bis zu Jazzrock-Größen à la Pete York oder auch die Metal-Queen Doro.
1992 zog die Fabrik ins Industriegebiet Stegwiesen um. Die Macher nahmen das alte Flair mit in die neuen, größeren Räume. Rock blieb Grundnahrungsmittel, dazu kamen diverse Wellen und wurden von entsprechenden Fachleuten an den Plattentellern aufgenommen: Sei es Techno, sei es Schlager. Schon zum 25jährigen Jubiläum konstatierte Jürgen Debatin, dass gerade das jüngere Publikum gerne querbeet hört, und dass deshalb für die Macher der Fabrik Flexibilität das oberste Gebot ist. Livemusik war eine Zeitlang problematisch, erlebt aber in den vergangenen Jahren wieder eine gewisse Renaissance. Das ältere Classic-Rock Publikum bewegt sich weniger für Konservenmusik aus den eigenen vier Wänden als für Rockklassiker-Konzerte wie UFO, Y & T oder eben Doro, die hier zu sehen waren. Nach wie vor aber gehen Coverbands besser als Originale. „Vor sieben, acht Jahren hab' ich noch gedacht: Coverbands – das ist ja die Vortäuschung falscher Tatsachen“. Inzwischen hat sich das geändert und einige hochkarätige Tributebands, die sich beispielsweise Acts wie den Doors oder Queen verschrieben haben, ziehen auch Publikum.
Die Jubelfeier habe ein sattes Live Programm zu bieten. Am Freitag geht es vor allem um gekonnt gecovertes heftiges Material: Green Play widmen sich dem Schaffen der Amerikaner Green Day, und Randstein sind keineswegs „Rammstein für Arme“. Immerhin heißt der Sänger Fels mit Nachnamen und Pyros gibt’s auch. Die einzige Nicht-Cover-Band an diesem Abend sind Fathead. Aber laut sind auch sie: Sie spielen Pop-Punk/Rock/Emo.
Am Samstag geht es um klassischen Rock ganz unterschiedlicher Bauart: Love Street lassen den Schamanen Jim Morrison und seine Doors auferstehen, Demon's Eye sind eigentlich eine der profiliertesten Deep-Purple-Coverbands. Gerade dieser Tage haben sie nun aber auch ein Album mit eigenen Songs veröffentlicht. Danach Stimmungswechsel ins Epische: Echoes sind oft ganz nah dran am Klang der Originalband Pink Floyd, scheuen sich aber auch nicht, manchen Songs eigene Identität einzuhauchen. Die Band führt auf wundersame Weise vor, dass man keine Dutzend Musiker auf der Bühne braucht, um diese Musik zu transportieren. Wenn man denn die Essenz verstanden hat.
Der Sonntag ist ganz im Zeichen musikalischer Revoluzzer zu sehen: Across the Border spielen eine gnadenlose Mischung aus Folk und Punk, Rock und Revolution. Hymnen voll brachialer Kraft. Diese Revolution tanzt, und zwar ekstatisch, getreu dem Motto: „If I can’t dance to it, it’s not my revolution“. Danach nehmen Irie Révoltés den Faden auf (siehe Tagestipp). Wer nicht auf Livemusik steht kann sich drinnen zu verschiedenen Motto-Partys die Seele aus dem Leib schütteln.

30 Jahre Fabrik, Kinzigstraße 5, Bruchsal.
Fr., 10.6., ab 19 Uhr mit Green Play, Fathead und Randstein
Sa., 11.6., ab 19 Uhr mit Love Street, Demon's Eye und Echoes
So., 12.6., ab 19.30 Uhr mit Across The Border und Irie Révoltés

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