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Archiv: 06.2014
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Guntram Prochaska

Holzsägekomponist

Bild - Guntram Prochaska
Bild - Guntram Prochaska
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Man kann ihnen schier überall auf der Welt begegnen, in der Karlsruher Innenstadt ebenso wie mitten im Wald,im amerikanischen Florida ebenso wie im japanischen Yokohama: Markante Holzwesen, die ihr Schöpfer als Friedensengel und gute Geister versteht, die den Menschen Hoffnung machen sollen.

Wenn Guntram Prochaska auftaucht, wird es laut. Er selbst bezeichnet sich als Holzsägekomponist und die Kettensäge ist sein Lieblingsinstrument. Als Sänger der Karlsruher Spontiband war er einst auf weltmusikalischer Erkundungsreise durch die Sahara auf totemartige Holzskulpturen afrikanischer Künstler gestoßen, die ihn unmittelbar faszinierten.
„Als ich von der einjährigen Tour zurückkam, begann ich selbst eigene Figuren zu gestalten.“ Beseelt vom Umweltschutzgedanken begann er sich mit von Blitz oder Sturm entwurzelten Bäumen auseinanderzusetzen und dem vermeintlich „toten Holz“ neues Leben einzuhauchen.
Als der gebürtige Grötzinger Beil und Stechbeitel mit der lautstarken Kettensäge vertauschte, bemerkte er, dass er damit schnell die Aufmerksamkeit der Umstehenden auf sich zog.

So entstanden die ersten Sägeperformances, bei denen sich bald musikalische Klänge untermischten. Vom Gesangsverein über die klassische Sopranistin und die freie Improvisatorin bis zur Jazzband reicht das Spektrum der Musikbeiträge, mit denen sich der mit dem Geräusch der Zerstörung verbundene Sound der Motorsäge mischt.

In Prochaskas Händen freilich verwandelt sich das mit berserkerhaften Kräften ausgestattete Gerät zum virtuos gehandhabten Zeichenstift mit eigenen musikalischen Qualitäten. „Jedes Holz hat auch seinen eigenen Klang und mit meiner Art der Sägung erklingen so etwas wie Melodien“, sagt Prochaska, für den die verschiedenen Künste als universal verständliche Sprachen untrennbar zusammen gehören.
So entwickelt sich seine künstlerische Tätigkeit vielfach zum Gemeinschaftsprozess, der von einer vagen Idee über die Fixierung des Ortes, die Beschaffung des geeigneten Materials und das Zusammenspiel mit anderen Künstlern und Musikern zu einem Event wird, der Menschen unterschiedlicher Herkunft verbindet.

Dabei versteht sich Prochaska als Kulturbotschafter, sei es in den südafrikanischen Townships, wo er mit den Ärmsten ein gemeinsames Projekt realisiert, sei es in Schottland oder Singapur, die 2014 ebenfalls auf seinem Reiseplan stehen, sei es im heimischen Grötzingen, wo Prochaska als künstlerischer Leiter alle zwei Jahre die Kulturmeile organisiert. „Die Vielschichtigkeit der Kultur“ an einem Sommerwochenende im Heimatdorf aufleben zu lassen, damit Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander ins Gespräch zu bringen und die Identität des Karlsruher Stadtteils zu stärken, ist dabei das Ziel des Künstlers, der sich „Grötzinger mit Leib und Seele“ nennt. Die Grötzinger scheinen auch ihren „bunten“ Sohn zu lieben, denn nicht nur das in der Ortsmitte stehende Wohnhaus hat Prochaskas zu einem selbstgestalteten Kunstwerk verkleidet, an vielen Ecken und auf Plätzen des Ortes stößt man auf seine farbig bemalten Sägungen.

Da darf er auch nicht fehlen, wenn das Malerdorf am letzten Juniwochenende noch einmal geballt an die Anfänge der Malerkolonie um Schloss Augustenburg vor 125 Jahren erinnert. Gemeinsam mit Martin Wacker hat er ein buntes Spektakel entwickelt, bei dem mit Musik, Tanz, Feuershow, Akrobatik, Kabarett, Holz, Säge und Farbe „Die 125 Elemente von Schloss Augusta" beschworen werden.

> Sa 28. Juni, Hof des Schloss Augustenburg, Karlsruhe Grötzingen, ab 15 Uhr Ausstellung und Aktionen Grötzinger Künstler, ab 18 Uhr unter anderem mit Prochaska, Rastetter und Wacker, Lassi Nada, Master Hope & Friends.

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