Klappeauf - Karlsruhe
Archiv: 09.2013
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Unbequeme Denkmale

Bild - Unbequeme Denkmale
Das Karlsruher ZKM war eine Waffenschmiede, der Kreativpark ein Schlachthof, und auf dem Gelände des Bruchsaler Bürgerparks stand bis 1945 das fürstbischöfliche Schloss, das im Dritten Reich als Wehrmachtsgefängnis und Hinrichtungsstätte genutzt wurde. Archäologisch bedeutende Bodenfunde „stören“ den schnellen Fortgang eines Neubaus. Denkmale sind nicht immer schön und erhaben, sie können auch unangenehm und unbequem sein. Passen Kaiser-Wilhelm-Standbilder zur Demokratie? Sind NS-Bauten abrisswürdige Schandflecken oder mahnende Zeitzeugen? Solche Fragen stößt das Motto zum Tag des offenen Denkmals an: „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“ Was ist wert, erhalten zu werden und weshalb? Was macht Denkmale unbequem und warum? Gibt es überhaupt „bequeme“ Denkmale?
In Bruchsal thematisiert eine Führung (11:00 Uhr, Treffpunkt Touristinformation, Am Alten Schloss 2), anhand der Mahnmale und Gedenkstätten Strafvollzug, NS-Justiz und Kriegszerstörung. In Karlsruhe gibt es Führungen zur Außengestaltung des Ende des 19. Jahrhunderts von Josef Durm erbauten einstige Amtsgefängnisses, der heutigen Justizvollzugsanstalt (10:00 Uhr und 11:30 Uhr), und am Kaiserplatz beim Kaiser-Wilhelm-Denkmal (10:45 Uhr und 12:45 Uhr) geht es um Überlegungen, ob dieses Standbild oder das benachbarte Leibgrenadierdenkmal erhaltenswürdig sind. Der Luftschutzkeller Appenmühle in Daxlanden wird für Besichtigungen geöffnet (11:00 und 13:00 Uhr), und im Badischen Landesmuseum, Schloss Karlsruhe, gibt es ein Zeitzeugengespräch mit Hildegard Roller und Gerhard Lustig über „Fragwürdige Symbole und heroische Denkmale - Erinnerungen aus der Kriegs- und Nachkriegszeit“ (15:00 Uhr). In Bretten führt ein Rundgang durch die Innenstadt entlang der Stolpersteine zum Gedenken an 13 Brettener Opfer des NS-Euthanasieprogramms, die 1940/41 als geistig und körperlich Behinderte während der „Aktion T4“ deportiert und ermordet wurden (Treffpunkt Weißhofer Straße, vor dem alten Rathaus, Osteingang, 14:30 Uhr).
Neben Orten des Unbehagens, die historisch negativ belastet sind, bietet der Denkmaltag Gelegenheit, ein sehr breites Spektrum von Kulturdenkmalen zu besichtigen, die vielfach nur an diesem Tag allgemein zugänglich sind, darunter das ehemalige Erbgroßherzogliche Palais in Karlsruhe, in dem heute der Bundesgerichtshof arbeitet.

> Sonntag, 8. September 2013, 10:00-18:00 Uhr, Programm unter http://tag-des-offenen-denkmals.de/