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Low- und No-Budget-Filmfestival
Independent Days 7
Die Independent Days gehen in die siebte Runde. Das Low- und No-Budget-Filmfestival der Filmwerkstatt Karlsruhe hat sich zeitlich zwischen der Berlinale und dem Filmfestival von Cannes angesiedelt. Räumlich ist man im letzten Jahr im Kulturzentrum Tempel untergekommen. Die Zusammenarbeit hat sich bewährt. Auch in diesem Jahr sind die meisten Filme im Tempel zusehen, es gibt allerdings noch eine zweite Spielstätte, das Kino Kurbel. Klappe Auf hat mit den beiden Festivalmachern Michael Nagenborg und Oliver Langewitz über das Festival gesprochen, das vom 6. bis 12. April Karlsruhe in das Mekka des unabhängigen Films verwandelt.
? Wodurch definiert sich für euch ein unabhängiger Film?
Nagenborg: Unabhängige Produktionen entstehen ohne Auftrag, nicht weil die Verwertungsindustrie sie will, sondern, weil die Filmemacher einen Film machen wollen.
Langewitz: Der Gedanke der vollkommenen künstlerischen Kontrolle spielt da aber auch noch eine wichtige Rolle. Unabhängig zu sein von den Ansprüchen und Bedingungen irgendwelcher Senderdramaturgen oder der großen Verleiher. Da aber auch der Independent-Filmer nicht problemlos das Wirtschaftliche ausblenden kann, muss er leider auch zum Teil wirtschaftlich denken, so dass sein Arbeiten – zumindest im professionellen Bereich - immer eine Gratwanderung ist.
? Welches waren die wichtigsten Veränderungen, die dem Festival seit seiner Gründung widerfahren sind?
Nagenborg: Die ersten Independent Days waren als eine einmalige Veranstaltung geplant, bei der die Filme hauptsächlich von befreundeten Filmemachern kamen. Dementsprechend war das Festival auch von persönlichen Vorlieben geprägt. In den letzten Jahren hat sich das grundlegend geändert: Wir bekommen Einreichungen aus aller Welt und jeglicher Art, aus denen wir eine Auswahl treffen können und müssen. Im Grund bestimmen also die Filmemacher das Programm, das wir „nur“ moderieren.
Langewitz: Dennoch wählt eine Jury, bestehend aus verschiedenen Filmemachern, Filmwissenschaftlern und Cineasten aus der Region, aus allen Einreichungen diejenigen Filme aus, die ihr nach diversen Kriterien wie „Herausragende Einzelleistung“ oder „Gelungener Genrebeitrag“ für festivaltauglich halten. Zudem versuchen wir immer, die Blocks themenspezifisch zu gestalten. Dieses Vorgehen hat sich in den vergangenen Jahren bewährt, da so das Programm insgesamt zwar sehr heterogen ist, die Blöcke aber in sich eine runde Sache sind.
? Wie haben sich der Publikumszuspruch und die öffentliche Resonanz entwickelt?
Langewitz: Tatsächlich werden wir in der Öffentlichkeit immer mehr wahrgenommen, gerade auch überregional. Das merkt man z.B. an der durchweg positiven Presseresonanz, aber auch an dem Feedback, das wir immer wieder vom Publikum erhalten. Natürlich werden immer wieder kleinere Details bemängelt, aber da geht es meistens um den einen oder anderen Film. Aber was den Filmgeschmack angeht, kann man es eben nicht jedem einzelnen durchweg recht machen. Die ständig steigende Zahl an Einreichungen, auch aus dem Ausland zeigt, dass sich die Independent Days immer mehr bei den Filmemachern herumsprechen und Zuspruch finden.
? Wie hoch ist die Förderung von Stadt und Land? Und wie sieht es aus mit den Einnahmen?
Nagenborg: Wir erhalten einen kleinen Zuschuss von der Stadt und keine Förderung durch das Land. Ansonsten trägt sich das Festival zur Zeit durch die Einnahmen selbst – mit Hilfe von Sponsoren, Anzeigenkunden und nur durch sehr, sehr viel ehrenamtliche Arbeit. Insofern ist die Zukunft des Festivals leider stets ungewiss, da man nie wissen kann, ob im nächsten Jahr noch genügend Menschen sich in dieser Form einbringen können.
? Wie ist es zur Kooperation mit dem Kino Kurbel gekommen?
Nagenborg: Wir haben uns nach einer attraktiven Spielstätte in der Innenstadt umgesehen – und waren hoch erfreut, dass die wieder neu belebte Kurbel so schnell zugesagt hat.
Langewitz: In den letzten Jahren war es schade, dass wir viele Filme nicht in ihrem Originalformat 35mm zeigen konnten. Wenn sich dies mit der ersten 35mm-Kurzfilmrolle bewährt, werden wir sicherlich versuchen, diese Kooperation noch weiter auszubauen.
? Gibt es eine Verbindung zwischen den Independent Days und Eurem Filmlabel BohemiaFilmkunst?
Nagenborg: In diesem Jahr ist die BohemiaFilmkunst zum ersten Mal offizieller Unterstützer der Independent Days und hat u.a. die Produktion des Programmhefts übernommen. Ansonsten besteht hauptsächlich durch die personelle Überschneidung eine enge Verbindung. Es ist aber nicht so, dass beides nicht zu trennen wäre.
Langewitz: Die erste offensichtliche Verbindung sind natürlich auch noch unsere beiden Kurzfilm-DVDs „Independent Days“-Vol.01 und Vol.02., auf die einige Festivalperlen der letzten Jahre gebannt sind. Die Produktionen laufen aber völlig unabhängig vom eigentlichen Festival.
? Perspektiven für die Zukunft?
Nagenborg: Wir werden in diesem Jahr die erste eigene Produktion der BohemiaFilmkunst präsentieren und unseren ersten Spielfilm auf DVD veröffentlichen.
Langewitz: Außerdem planen wir derzeit noch weitere Kooperationen mit Filmcontent-Anbietern, die gerade auch mit neuen Kommunikationstechnologien wie Video-On-Demand arbeiten.
ID 7- Beziehungskisten - Düsterfilme- Trash - Roadmovies
Offiziell eröffnet werden die Independent Days am 6. um 20.30 Uhr im Kurbel-Kino-Center in der Kaiserpassage mit der 35mm-Festivalrolle, die auch noch am 8. (22.30 Uhr) und 9. (22.30 Uhr) in der Kurbel zu sehen ist. In der Rolle stecken Kurzfilme mit vielversprechenden Titeln wie „King of Fools“, „Der Coach“, „Subway Score“, „Fuck me /fuck you“ und eine Seefahrergeschichte namens „Das Floß“, die später auch noch als Videokopien im Festivalpogramm zu sehen sind.
Im Tempel stehen zunächst mal „Beziehungskisten“(7.20 Uhr/8.18 Uhr) auf dem Programm, so lautet das Oberthema der ersten Filme, die um die Gunst des Publikums wetteifern. Es geht um Zwei- und Dreisamkeit in fast allen Variationen. Das Motto des zweiten Programmteils „Düsterfilme“(8.,20 Uhr/9.,18 Uhr) erklärt sich ebenfalls selbst. Es handelt sich um Filme mit morbidem Charme. Es geht um Verbrechen und obskure Erscheinungen. Der dritte Programmteil mit dem Titel „Trash“(8., 24 Uhr/9., 22 Uhr) richtet sich an alle, die es bunt, laut und schrill mögen, nicht fehlen darf dabei ein Beitrag des Karlsruher Kultfilmers Ritchie Stravinsky, der wieder seine Superhelden Skipper & Rusty ins Rennen schickt.
Beim Finale des Wettbewerbs am 10. (20 Uhr) entscheidet das Publikum mit seiner Stimme, welcher von den Filmen, die aus den drei Wettbewerbsblöcken die höchste Stimmenanzahl erhalten hat, letztlich am 12. (20 Uhr) beim Abschlussprogramm mit der „Goldenen Pyramide“ ausgezeichnet wird.
Außerhalb des Wettbewerbs laufen die Filmblöcke „Roadmovies 1“(7., 22 Uhr) und „Roadmovies 2“(10.,22 Uhr), wobei es sich dabei nur um dern Film „Route 66“ handelt, der von Erlebnissen dreier Sachsen auf Achse und zwar auf der berühmten Route 66 erzählt; unter dem Motto „Drogen sind illegal und schlecht für Dich!“(8., 22 Uhr) werden unterschiedliche filmische Herangehensweisen an ein gesellschaftliches Phänomen präsentiert, die möglicherweise l nicht durchweg politisch korrekt sind, und dann gibt es noch Filmbeiträge „Aus Politik und Gesellschaft“(10., 18 Uhr), u.a. mit dem Kurzfilm „Die Reise nach Absurdistan“ von Frank Zollner und Corinne Walter, die viele noch von ihren Auftritten als Kabarettduo am Insel-Theater kennen dürften, und zum immer aktuellen Themenbereich „Wirtschaft und Finanzen“(11., 22 Uhr).
Erstaunlicherweise haben die jungen Filmemacher mittlerweile alte Menschen als Filmthema und als Darsteller entdeckt. „Alte Menschen“(11., 20 Uhr) ist die Filmreihe überschrieben, in dem u.a. zwei Dokumentarfilme über den geistig-behinderten Walter Uehr laufen, der auch im Alter von 76 Jahren noch seinen Leidenschaften fröhnt, Modellflugzeuge bauen, Straßenmusik machen u.a.
Außer Konkurrenz zu sehen sind auch noch „Jimmy Tornado“(9., 20 Uhr) , ein Science-Fiction-Film mit Comic- und Martial Arts-Elementen, und ein schauriges amerikanisches Machwerk für Hartgesottene ab 18 namens „UR4 Given“(9., 24 Uhr) , das die Festivalmacher folgendermaßen charakterisieren: „Blair Witch Project“ trifft „Ein Mann sieht rot“. Das ausführliche Programm und weitere Informationen u.a. zu den Eintrittspreisen finden sich im Internet unter: www.independentdays.de. Kleiner Tipp noch: Für Freitag und Samstag sollte man Karten vorbestellen.
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