|
|
Schriftsteller Thomas Liebscher
"Ich hör die Leut gern
lache."
"Die Felder schmiege sich an
sanfte Hibbel hie./Die Wengert stehe grad und grupft./Beschaulich,
lieblich, wie mer´s nimmt,/die Londschaft scheint grad
nohgedupft." Der Kraichgau ist eine unspektakuläre Region.
Autobahn, Bundes- und Landstrassen, Bundesbahntrassen zerteilen
die hügelige Landschaft, die nach der Flurbereinigung der 60er
Jahre schön übersichtlich geworden ist, die meisten Hohlwege und
Feldraine wurden plattgemacht, die vielen unrentablen Äckerchen
zu großen Anbauflächen zusammengelegt. Und dennoch hat diese
Gegend zwischen Karlsruhe und Heidelberg ihre schönen Flecken,
ihre lauschigen Winkel, man muß sie nur zu finden wissen.
Der Kraichgau ist die Heimat von
Thomas Liebscher (geboren 19961 in Bruchsal), hier ist er
aufgewachsen, hier lebt er noch immer, er kennt die Landschaft
und die Leute. Aber ein Heimatdichter im herkömmlichem Sinne ist
er deshalb oder gerade deswegen nicht geworden. In seinen
Prosatexten und Gedichten findet sich das Ursprüngliche neben
dem Modernen, das Schöne neben dem Häßlichen. In dem oben
zitierten Gedicht "Kraichgauwannerung" heißt es ein paar Zeilen
weiter: "Un dort, e Stickl weiter noch,/ werd die nei
Bundesstroß vermesse". Liebscher gelingt es unsere komplexe
widersprüchliche Gegenwart in seiner Mundart zum Sprechen zu
bringen. Das hat ganz bestimmt auch damit zu tun, dass er quasi
von Beruf Zeitzeuge ist.
Seit 1989 ist er Redakteur bei
den Badischen Neuesten Nachrichten, seit einiger Zeit arbeitet
er für die BNN-Sonntagszeitung "Der Sonntag". Als Schriftsteller
ist er ein Spätzünder, aber gerade deshalb ist er auch gleich
aus dem Gröbsten herausgekommen. Die privatisierende
Erlebnislyrik, die vor allem den eigenen Seelenzustand zum
Gegenstand hat, war und ist seine Sache nicht. Dass er einmal
als Mundartautor reüssieren würde, hat er sich nicht träumen
lassen, als er anfing Gedichte zu schreiben - in Hochdeutsch und
Mundart. Die Mundartgedichte haben einigen Leuten besonders
gefallen und dann gab es da noch den jungen Verlag
Regionalkultur in Ubstadt-Weiher, der nach Autoren suchte, und
den Mundartwettbewerb, bei dem er seine ersten Sächelchen
einreichte und auch prompt einen Preis gewann. Weitere Preise
sollten folgen. Drei Liebscher-Bücher gibt es mittlerweile: "Ins
Heimatmuseum"(1993), "Besser wie nix" (1997) und "Isch doch wohr"(2000)
.
Mundart-Literatur....liebevoll-
ironisch
Es sind schöne Bücher, in denen
die Liebscher- Texte und die stillen, aber beredten
Kraichgau-Bilder des Fotografen Hans-Peter Safranek miteinander
zu korrespondieren scheinen. Über Publikumszuspruch bei seinen
Lesungen in der Region kann er sich nicht beklagen. Meist tritt
er zusammen mit der Folkgruppe "Gout d´hier" auf: "Eine
Viertelstunde Text, zehn Minuten Musik, eine Viertelstunde
Text...", so lautet dann die lockere Programmfolge. Manchmal
sind Kollegen mit dabei, z..B Traudel Kern mit ihren Liedern
"uff pälzisch". "Literarische Unterhaltung" nennt er das und er
macht es gerne: "Ich hör die Leut gern lache". .
Vorbilder sind für ihn alle
Dichter, die er mag, der Vergangenheit und der Gegenwart. Wer
will und kann mag diese Vorbilder aus seinen Texten herauslesen.
Große Literatur und das Alltagsgerede kleiner Leute, das geht
bei Liebscher sehr gut zusammen.
Das erste Motoball-Gedicht der
Welt
Und noch eines kann man seinen
Gedichten und Prosastücken entnehmen: Thomas Liebscher ist
Sportfan. Er hat das erste Motoball-Gedicht der Welt geschrieben
("Fußball ufm Motorrad") und auch die Ringer aus Wiesental hat
er literarisch verewigt ("Wissedal gege Schifferstadt"), aber
seine große Liebe gehört dem Fußball.Es ist keine platonische
Beziehung. Er stürmt in einer Mannschaft zu allem entschlossener
Freizeitkicker und hat sich in vielen Zeitungsartikeln kompetent
mit Geschichte und Theorie des Fußballs befasst. Thomas
Liebscher, der seit der Kindheit nicht nur Fußball, sondern auch
Klarinette spielt, hat in der Mundart-Literatur gerade in seiner
Vielseitigkeit einen eigenen liebevoll- ironischen
kraichgauerischen Ton gefunden, einen Liebscher-Ton eben. Wer
ihn hören will, der kann sich die CD "Wie´s Lebe isch"(mit
Liebscher und anderen Mundart-Autoren) kaufen und/oder am 15. um
20.15 ins Landesgewerbeamt gehen. Da liest Thomas Liebscher zum
Auftakt der Karlsruher Bücherschau.Des isch wohr un besser wie
nix. Ko |
|
|
Error 500 - Internal server error
Error 500 - Internal server error
Ein interner Fehler ist aufgetreten! Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt.
|
|